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Sommerlicher Wärmeschutz: Sonnenhitze wegdämmen

07.10.2016

Wohnen unter der Dachschräge heißt  für viele Wohnen mit besonderem Flair. Dass das Wohnen unterm Dach aber auch zur Qual werden kann, wissen viele, die schlecht gedämmte Dächer haben. Früher häufig als „Barackenklima“ bezeichnet, war der Aufenthalt im Dachgeschoss oftmals unerträglich. Heutige Dachräume sind deutlich besser ausgestattet – dennoch gibt es Unterschiede: Denn werden drei Grundforderungen nicht beachtet und gelangt damit Wärme ins Dachgeschoss, heizt sich eine Wohnung hier oben von Tag zu Tag mehr auf und die Nächte werden unermesslich heiß.

Foto: www.puren.com

Links: Vollflächig und hochwertig gedämmt, luft- und winddicht verklebt und mit von außen gut beschattbaren Gauben- oder Flächenfenstern ausgestattet sind Dachräume auch bei sommerlicher Hitze angenehm zu bewohnen.

Rechts: Lückenhaft gedämmt, luftdurchlässig und ohne Fenster-Sonnenschutz sind Dachräume im Winter zwar beheizbar, im Sommer aber gnadenlose Hitzefallen.

Grafik: www.puren.com

1. Wichtig im Sommer – der U-Wert

Ein gut gedämmtes Dach ist im Winter warm und im Sommer angenehm kühl. Doch während im Winter der Wärmeverlust per Heizung ausgeglichen wird, haben die wenigsten Haushalte für den umgekehrten Fall im Sommer eine Kühlung bereit. Die wahre Qualität einer Dachdämmung wird erst im Sommer erkannt, wenn keine Kühltechnik zum Gegensteuern vorhanden ist. Denn im Sommer kehrt sich die Bauphysik um. Die Dachfläche kann durch Sonneneinstrahlung bis zu 80 °C heiß werden. Wenn es dann innen angenehm kühl bleiben soll, hilft nur eine exzellent funktionierende Dämmung.

2. Luft- und winddichter Dämmaufbau

Die Wirkung von Dämmstoffen basiert weitgehend auf unbewegten Luft- und Gaspolstern. Geraten die in den Dämmstoffen festgehaltenen Luftpolster in Bewegung, geht damit auch Dämmwirkung verloren. Dies ist vor allem bei offenzelligen Dämmstoffen der Fall, wenn Wind im Sommer die bis zu 80 °C heiße Luft auf der Dachoberfläche in die Dachkonstruktion hineinbläst. Deshalb ist es für den sommerlichen Hitzeschutz extrem wichtig, Dämmstoffe luft- und winddicht zu verbauen. In dieser Disziplin sind geschlossenzellige Aufsparrendämmungen, wie z. B. Polyurethan-Platten, die mit einer Nut-und-Feder-Verbindung ausgestattet sind, bestmögliche Lösungen, vor allem, wenn diese noch mit rundum verklebbaren Unterdeckbahnen ergänzt werden.

Foto: www.puren.com

Steildachlösung gegen Sommerhitze: Dämmplatten der WLS 026 gehören zu den besten Dämmstoffen. Die PU-Elemente bilden als vollflächiges Aufsparrensystem bei winddichter Bahnenüberklebung ein wah-res Schutzschild gegen Sonnenhitze. Jetzt sind nur noch die Fenster das Problem. Foto: www.puren.com

3. Verschattung: Wirkungsvoll nur von außen

Verschattungen von Dachfenstern spielen beim sommerlichen Hitzeschutz eine entscheidende Rolle. Jeder Quadratmeter unverschatteter Fensterfläche transportiert im Sommer bis zu 1000 W Heizenergie in den Dachraum! Werden diese großen Energieeinträge in das Dachgeschoss nicht unterbunden, ist innerhalb kürzester Zeit im Dachgeschoss mit sommerlicher Überhitzung zu rechnen. Die bestmögliche Beschattungslösung ist dann die von außen. Rollläden oder auch Markisen können hier deutlich zur Reduktion des Hitzeeintrags beitragen. Voraussetzung allerdings auch, dass sie rechtzeitig vor Hitzeeintrag bedient werden. Automatisierte Anlagen sind hier im Vorteil. Auch sogenannte elektrochrome Scheiben sind eine Lösung – also Fenstergläser, die sich je nach Sonnenbestrahlung automatisch verdunkeln.

Fazit

Bestmöglicher U-Wert plus Verschattung plus Luft- und Winddichtheit – das ist die Formel für einen wirksamen sommerlichen Wärmeschutz. Und jenseits von hochwirksamen Dachdämmungen und außenliegenden Verschattungen gibt es eigentlich keine einfachen Antworten auf das Problem Sommerhitze. In diesem Zusammenhang wird auch verständlich, weshalb Aufsparrendämmlösungen dann die beste Wirkung erzielen: Nur sie bilden eine lückenlos geschlossene Dämmhülle außerhalb des Dachstuhls und wirken somit wie ein Hitzeschild dem „Feind“ Sonne entgegen. (aus der Zeitschrift Energie 2/2016)

Sind Speichermassen eine Lösung?

Speichermassen in der Dachkonstruktion beispielsweise durch schwere Dämmstoffe verursachen oft gegenläufige Effekte. Um einen U-Wert vergleichbar mit PU-Dämmstoffen zu erzielen, müssen schwere Dämmstoffe in größeren Dämmdicken verbaut werden. Das bedeutet hohe Massen und hohe Kosten und fordert gegebenenfalls einen tragfähigeren und damit teureren Dachstuhl. Weil massive Dämmstoffe nicht so gut  dämmen, dringt die Sommerhitze tiefer in die Dämmkonstruktion ein und erwärmt zugleich diese Speichermasse. Die positiven und negativen Effekte heben sich weitgehend gegenseitig auf.
 
Über den Einfluss von Speichermassen auf den sommerlichen Hitzeschutz im Dachgeschoss wird deshalb vielfältig diskutiert. Die tatsächlichen bauphysikalischen ­Vorgänge sind sehr komplex und die vereinfachten Rechenverfahren (z. B. nach Haindl) unter Fachleuten umstritten.
 
Auch der Einfluss einzelner Bauteile auf die sogenannte Phasenverschiebung (zeitverzögerter Hitzeeintrag in den Raum nach Aufheizung der Dämmebene, aber schon wieder bei Beginn der Abkühlphase) ist mit wenigen Zahlen ganzheitlich nicht erfassbar. In extremen Fällen kann Speichermasse sogar kontraproduktiv sein und den sommerlichen Hitzeschutz unterlaufen.

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