Rechenbeispiel: Kosten fürs Dach

Kosten fürs Dach

Seit die große Koalition die steuerliche Absetzbarkeit von Energieoptimierungen bis auf Weiteres gestoppt hat, ist die Diskussion um die Rentabilität von Dämmmaßnahmen aufs Neue entbrannt. Dies ist nachvollziehbar, da die Energiepreise momentan niedrig sind, was die Rahmenbedingungen für eine energetische Sanierung nicht gerade günstiger macht – oberflächlich betrachtet! In Fachkreisen geht man nämlich davon aus, dass die Energiepreise um die Jahreswende wieder steigen werden. Alfred Körblein vom Umweltinstitut München hält Dämmrechnungen auf Basis eines dauerhaft niedrigen Heizölpreises für unseriös: „Bei langfristigen Investments muss man sich an langfristigen Trends orientieren. Beim Ölpreis muss man vom Mittelwert der letzten zwanzig Jahre ausgehen. Das wäre eine Steigerung von vier Prozent im Jahr.“

Ein weiteres Argument der Befürworter von Dämmmaßnahmen ist der historische Tiefstand der Zinsen, durch den die Kosten für eine kreditfinanzierte Energieoptimierung sinken. Zudem kann sich, wenn ohnehin eine technische Sanierung ansteht, die Rentabilitätsrechnung für die Energieoptimierung dramatisch verschieben. In diesem Fall kann es sein, dass der Mehrpreis für die Zusatzdämmung die „Ohnehinkosten“ (hier ohne den Betrag für die von der EnEV vorgeschriebene Dämmung) nur um einen geringen Betrag übersteigt.

Live vor Ort: Wie stellen sich die Kosten real dar?

Bei unserem Beispielhaus handelt es sich um ein Wohnhaus, bei dem ohnehin eine Sanierung der Eindeckung anstand (rund 245 m2 Dachfläche und 185 m2 Dämmfläche). Hier hat der Handwerker die „Ohnehinkosten“ konkret durchgerechnet. Bei pauschalen Berechnungen werden sie in der Regel deutlich zu niedrig angesetzt. In der Berechnung schlagen nun die Dacheindeckung, das Gerüst sowie die Personalkosten (inklusive der Dachabdeckung) bereits mit 25.614,79 Euro zu Buche. Das entspricht einem Preis von 104,57 Euro pro Quadratmeter Dach.

Bei den Heizkosten gibt es durch diese nicht EnEV-konforme Maßnahme keine Ersparnis. Die bauteilbezogenen Heizkosten ohne Dämmung liegen bei 1.702,89 Euro im Jahr. Dieser Wert entspricht in allen Rechenbeispielen dem finanziellen Gegenwert der Energie, die in einem Jahr durch das Dach verloren geht. Er variiert also mit den Öl- und Energiepreisen. Entscheidet sich der Bauherr für eine Dämmung, kommen Mehrkosten, aber auch Heizkosteneinsparungen auf ihn zu. Dies sei hier beispielhaft an drei Varianten durchgespielt, die auf der Basis der momentanen Energiepreise durchgerechnet wurden.

Fall 1: EnEV-konforme Zwischensparrendämmung

Zur Verwendung kommt bei dieser angenommen Variante eine Mineralfaserdämmung der WLS 035 (= Wärmeleitstufe) in einer Stärke von 200 Millimeter zwischen den Sparren. Durch diese Maßnahme erreicht das Dach den von der EnEV vorgegebenen U-Wert von 0,24 W/(m2K).

Der Aufpreis für Sparrenaufdoppelung, Dämmmaterial, Unterdeckbahn etc. liegt bei 8.573,25 Euro, wobei die Personalkosten in allen besprochenen Varianten je nach Region und Fachbetrieb variieren können.

Unterm Strich kostet die Sanierungsmaßnahme in dieser Variante 34.188,04 Euro. Das entspricht einem Preis von 139,57 Euro pro m2 Dach. Diesen Mehrkosten stehen jedoch Einsparungen bei den Heizkosten gegenüber. Sie liegen nun bauteilbezogen bei 7,80 Euro/m2, sinken damit auf 257,04 Euro im Jahr. Mit der jährlichen Gesamtersparnis von 1.445,85 Euro hätte sich der Aufpreis für die Dämmaßnahme rechnerisch nach rund sechs Jahren amortisiert.

Mit diesem Dämmmaterial ereich man einen hohem Dämmwert
Mit diesem Dämmmaterial mit hohem Dämmwert (Polyurethan mit WLS 023) erreichte man hier bei nur 160 mm Elementdicke einen zuschussfähigen U-Wert von 0,13 W/(m2K). Foto: www.linitherm.de

Fall 2: Aufsparrendämmung mit Polyurethan

Hier entscheidet sich der Bauherr für eine effizientere PUR-Aufsparrendämmung der WLS 023 in 100 Millimeter Stärke. Trotz geringer Dämmdicke erreicht man den U-Wert 0,20 W/(m2K). Kosten und Daten in der Beispielrechnung beziehen sich auf den Dämmstoff Linitherm PAL Polymer von Linzmeier. Der Aufpreis steigt nun auf 9.296,16 Euro (inklusive Montage). Damit liegen die Kosten bei 34.910,95 Euro, was einem Quadratmeterpreis von 142,52 Euro entspricht. Gleichzeitig sinken mit dem besseren U-Wert die bauteilbezogenen Heizkosten im Vergleich zum ungedämmten Dach um 8,03 Euro/m2. Dies entspricht bauteilbezogenen Heizkosten von 214,20 Euro und damit einer jährlichen Einsparung von 1.488,69 Euro.

Somit hätten sich die Kosten für die Zusatzdämmung nach rund sechseinviertel Jahren amortisiert. Nach dieser Zeit spart der Bauherr weiterhin an Heizkosten, kann bei Variante zwei also 1.488,69 Euro im Jahr als Plus verbuchen – eine Rendite, von der man selbst in besseren Zeiten nur träumen kann. Dieser Effekt verstärkt sich noch, wenn die Energiepreise ansteigen.

Ausparrendämmung Foto: www.linitherm.de
Mit diesem Dämmmaterial mit hohem Dämmwert (Polyurethan mit WLS 023) erreichte man hier bei nur 160 mm Elementdicke einen zuschussfähigen U-Wert von 0,13 W/(m2K). Foto: www.linitherm.de

Fall 3: PUR/PIR-Dämmung mit KfW-Förderung

Noch etwas attraktiver wird die Kostenrechnung, wenn der Bauherr dank einer größeren Dämmdicke einen KfW-Zuschuss beantragen kann. Die KfW gewährt bei der Dachsanierung eine Fördersumme von 10 Prozent der Gesamtkosten, wenn der Dach-U-Wert bis auf 0,14/W/(m2K) gesenkt wird. Die Obergrenze der Fördersumme liegt bei 5.000 Euro pro Wohneinheit. Hier nun sieht die Rechnung mit Linitherm PAL Polymer in einer Stärke von 160 Millimeter wie folgt aus:

Die Kosten für die Dachsanierung steigen bei einem U-Wert von 0,13 W/(m2K) im Vergleich zur ungedämmten Variante um 11.744,05 Euro auf 37.358,84 Euro. Mit Honorar für den Energieberater (250 Euro) muss der Bauherr theoretisch 37 608,84 Euro für Sanierung und Energieoptimierung bezahlen. Zu dieser Summe schießt die KfW 3.735,88 Euro zu. Unterm Strich kostet das Dach also 33.872,96 Euro, ist also mit einem Quadratmeterpreis von 138,29 Euro sogar günstiger als Variante eins und zwei.

Bei den bauteilbezogenen Heizkosten von 8,44 Euro/m2 fallen hier für den Energieverlust über das Dach also nur noch Kosten in Höhe von 139,23 Euro an. Die Heizkostenersparnis im Vergleich zur ungedämmten Variante vergrößert sich auf jährlich 1.563,66 Euro, die Amortisationszeit für das Dämmpaket schrumpft auf etwa fünfeinviertel Jahre. Danach hat der Bauherr jedes Jahr rund 1.550 Euro mehr in der Tasche – ein Betrag, der mit der Energiepreisentwicklung noch steigen kann.

Dachabdeckung nd Entfernung der alten Zwischensparrendämmung
Bei diesem Bestandsgebäude wurde die Variante 3 gewählt: Das Dach wurde abgedeckt und die alte Zwischensparrendämmung entfernt. Foto: www.linitherm.de
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