renovieren.de Renovieren, Modernisieren, Sanieren
Newsletter

Wie dicht ist mein Haus?

12.10.2011

Professionell durchgeführter Blower-Door-Test: Ein zertifizierter Prüfer der Gebäude-Luftdichtheit weiß, worauf es vor  Ort jeweils ankommt.Für die Messung der Luftdichtheit bzw. Luftdurchlässigkeit eines Gebäudes oder einer Wohnung hat sich das Blower-Door-Verfahren durchgesetzt. Dabei wird ein Ventilator luftdicht in eine Fenster- oder Türöffnung eingebaut. Je nach Drehrichtung des Ventilators wird zwischen dem Inneren des Gebäudes und der Außenluft eine Druckdifferenz in Form eines Über- oder Unterdruckes erzeugt. Damit diese Druckdifferenz aufrecht erhalten werden kann, muss der Ventilator eine bestimmte Luftmenge fördern, deren Größenordnung von den Undichtigkeiten in der Gebäudehülle abhängt.

Der bei einer bestimmten Druckdifferenz ermittelte sogenannte Leckagestrom kann dabei zu unterschiedlichen Bezugsgrößen ins Verhältnis gesetzt werden. Bei dem häufig verwendeten n50-Wert dient beispielsweise das Gebäudeinnenvolumen als Bezugsgröße. Der n50-Wert gibt an, wie oft bei einer Druckdifferenz von 50 Pascal (Pa) in einer Stunde das gesamte Gebäudeinnen-
volumen ausgetauscht wird. Zulässige Grenzwerte finden sich in der DIN 4108-7 und in der Energieeinsparverordnung (EnEV). Wie dann im Detail eine Messung durchzuführen ist, regelt die DIN EN 13829. Auch der im Rahmen der EnEV geforderte Dichtheitsnachweis verweist ausdrücklich auf 
diese Norm.

Zum Auffinden von Lufteintrittsstellen 
(Leckagen) werden zusätzlich zur „Blower-Door“ unter anderem Windgeschwindigkeitsmessgeräte (Anemometer), Rauchprüfröhrchen, Nebelmaschinen und  Infrarotthermografiesysteme eingesetzt. Wird im Gebäudeinneren Unterdruck hergestellt, kann man die Lufteintritte oft sogar mit der bloßen Hand fühlen.

Wichtig für Bauherren beim Thema Luftdichtheit ist auch, dass der Verlauf der luftdichtenden Ebene in den Werkplänen des Hauses, auch in Detailplänen, am besten farbig eingezeichnet ist. Dies erleichtert dem Architekten oder Planer die Planung und dem Handwerker die fachgerechte Ausführung. Die Luftdichtheitsebene ist dann perfekt geplant, wenn Sie die luftdichte Hülle mit einem Stift nachzeichnen könnten, ohne dabei absetzen zu müssen!

Eine Luftdichtheitsmessung sollte Bestandteil jeder Bauabnahme sein. Diese Prüfung sollte, wenn nicht vom Architekten oder Bauunternehmer bereits vorgesehen, in den Bauvertrag mit aufgenommen werden! Große Vorteile bieten die Messungen während des Bauablaufs, weil dann fehlerhafte Ausführungen oder Fehlstellen zumeist rasch und kostengünstig beseitigt werden können. Am Messtermin selbst muss die luftdichtende Ebene durchgängig geschlossen sein. Bauherren sollten den Baufortschritt diesbezüglich überprüfen, um unnötige Anfahrten und damit unnötige Kosten zu vermeiden.

An welchen Stellen der Gebäudehülle kommt es besonders häufig zu Luftundichtheiten? Typische Problempunkte sind Innen-Außenwandanschlüsse bei Holzkonstruktionen, die Anbindung der Dampfbremse an das Mauerwerk oder die Holzkonstruktion, Stöße und Überlappungen der Dampfbremse, Sparren bei Sichtdachstühlen, Fußboden-Wandanschlüsse, der Einbau von Fenstern und Fensterbänken, Kabelauslässe in der Decke, Deckenstrahler, Kamine und Rollladenkästen sowie alle Durchdringungen von unbeheizten Räumen oder Außenbauteilen zu beheizten Räumen (zum Beispiel durch Heizungs- und Wasserrohre, Elektroleitungen, Installationsschächte usw.).

Die bei Luftdichtheitsmessungen erfassten Werte erhalten ihre Bedeutung jedoch erst, wenn man sie beispielsweise zum Innenvolumen des untersuchten Gebäudeteils in Beziehung setzt. Daher müssen 
Messdienstleister die Systemgrenze genau kennen. Beispiel: Zählt der Keller im konkreten Fall ganz oder in Teilen zum absichtlich beheizten, gekühlten oder mechanisch belüfteten Gebäudevolumen, dem die Untersuchung gilt?

Wird eine solche Frage nicht richtig beantwortet, beruhen alle weiteren Berechnungen auf falschen Bezugsgrößen und die ermittelte Luftwechselrate verliert jede Aussagekraft.
Aus demselben Grund dürfen Messteams keinesfalls ungeprüft Angaben des Auftraggebers oder Maße aus Bauzeichnungen übernehmen, wenn es ums Bestimmen des Innenvolumens geht. Beispielsweise können Änderungen im Fußbodenaufbau oder nachträglich abgehängte Decken dazu führen, dass die tatsächlichen Raumhöhen von den Angaben des Architekten abweichen – mit entsprechenden Folgen für das reale Gebäudevolumen und die errechnete Luftwechselrate.

Am besten ermittelt der Fachmann Nettogrundfläche und mittlere lichte Raumhöhe des Objekts selbst. Oder aber überprüft von Dritten gelieferte Maße stichprobenartig. Nicht umsonst fordert die für Luftdurchlässigkeitsmessungen von Gebäuden relevante Norm, dass alle Berechnungen nachvollziehbar zu dokumentieren sind.

„Viele Prüfberichte, die wir zu sehen bekommen, weisen an dieser Stelle Mängel auf, manchmal fehlen die Angaben sogar vollständig“, beklagt der Geschäftsführer des Fachverbands Luftdichtheit im Bauwesen e. V. (FLiB) Dipl.-Ing. Oliver Solcher.

Eine dritte häufige Fehlerquelle liegt in der ungenügenden Vorbereitung. Abhängig vom Zweck der Messung muss das Gebäude entsprechend präpariert werden. Die für EnEV-Messungen entscheidende Prüfnorm schreibt etwa vor, Türen zwischen beheizbaren Räumen zu öffnen und absichtlich Öffnungen nach außen zu schließen oder abzudichten. Falls Siphons noch nicht mit Wasser gefüllt sind, dichtet man die betroffenen Abwasserleitungen ab. In der Praxis wird dies öfters versäumt. Oder aber man tut des Guten zu viel und klebt fälschlicherweise die Kellertür ab.

Hilfreich für die Gebäudevorbereitung, so der Fachverband, seien die Anweisungen der Norm DIN EN 13829. Außerdem sei dabei sehr wichtig, alle getroffenen Maßnahmen im Messprotokoll zu dokumentieren.

Neben dem Nachweis der fachlichen Qualifikation des Anbieters sollte man auch auf einem detaillierten Angebot bestehen. Ein besonders günstiger Preis kommt nämlich manchmal nur dadurch zustande, dass für eine normgerechte Messung wichtige Positionen ausgelassen werden. Mus-terausschreibungstexte können beim FLiB angefordert werden. Der Durchschnitts-preis für die EnEV-Abnahmemessung eines 150 Quadratmeter großen Einfamilienhauses nach DIN EN 13829 liegt übrigens bei rund 325 Euro plus Mehrwertsteuer. Regional sind allerdings auch große Abweichungen möglich.

Finden Sie jetzt die passenden Fenster- und Türdichtungen im Onlineshop von Graf-Dichtungen.