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Althaus modernisieren

17.12.2018

Von klein auf kannte der Boxberger Architekt Bruno Blesch das einstige Forstamt. Vor einigen Jahren konnte er das Althaus ersteigern und modernisierte es erstklassig. Es hatte ihm immer schon zugesagt, mit seinem vielleicht aus Resten der ehemaligen Burg gefügten Bruchsteinmauerwerk und den kontrastierenden Buntsandstein-Elementen.

Kindheitstraum: Althaus sanieren. Foto: Bernhard Müller

Das Gebäude repräsentiert mit seiner Fassade aus Muschelkalk und Buntsandstein alte fränkische Bautradition. Die Klappläden werden noch restauriert oder ersetzt. Foto: Bernhard Müller

Althaus aus Kindertagen modernisieren

Als sich die Möglichkeit bot, das Forstamt zu ersteigern, erhielt der Architekt tatsächlich den Zuschlag. „Der Zeitpunkt war optimal, da ich ein neues Büro suchte, und in den beiden oberen Geschossen zusätzlich ein individuelles Wohnprojekt realisieren konnte.“ Budgetbedingt mussten die Sanierungsmaßnahmen für das Althaus in Etappen und über einen längeren, bis heute reichenden Zeitraum angelegt werden.

Vorgelagerte Terrasse. Foto: Bernahrd Müller

Die spektakulär vorgelagerte Terrasse ist ein Lieblingsplatz des Ehepaars. Foto: Bernhard Müller

Zu den ersten Schritten zählte das Umdecken des Daches, das in diesem Zuge mit Holzweichfaserplatten und Zellulose-Zwischensparrendämmung energetisch ertüchtigt und mit einem gläsernen Dachreiter sowie zwei Lamellenfenstern ausgestattet wurde. Den Schmutzschleier auf den Fassadensteinen ließ Bruno Blesch schonend mit einem im Denkmalbereich verwendeten Strahlverfahren entfernen. Vom Gerüst aus erfolgte auch das Überarbeiten der Fassade, deren Dichtheit dann mittels Blower-Door-Test geprüft wurde. Obwohl das Gebäude von außen eher räumliche Großzügigkeit vermuten lässt, herrschte innen eher „Kleinzelligkeit“. Das Dachgeschoss war bereits ausgebaut gewesen, anstelle des mehrfach unterteilten Grundrisses sollte jetzt ein großer, offener und lichtdurchfluteter Raum entstehen. Die Eheleute nutzen diesen Bereich als privates Refugium, mit einem separaten Schlafbereich und dem als frei stehender Baukörper integrierten Bad.

Dach hell und luftig umgebaut. Foto: Bernhard Müller

Blick ins Dachgeschoss: Die zuvor zellenartig unterteilte Kubatur ist jetzt ein großer, bis in den Dachspitz geöffneter Raum. Foto: Bernhard Müller
   
Ähnlich beengt ging es früher ein Geschoss tiefer zu, in der einstigen Wohnung des Försters. Durch Entfernen von Wänden zugunsten einer offenen Raumabfolge schuf der Architekt hier ganz andere Verhältnisse. Die statische Funktion der zwischen heutigem, vormals in Gästezimmer unterteilten Küchenbereich und dem Wohnraum entfernten Wand übernimmt ein Stahlfachwerkträger.

Offener Küchenbereich. Foto: Bernhard Müller

Die neuen Holzfenster, in einem warmen Grauton gehalten, passen optisch perfekt in den Koch- und Essbereich. Die wirkungsvollen Einbaumöbel sind Entwürfe des Architekten. Foto: Bernhard Müller

Gemäß seiner Philosophie der Materialauthentizität setzte Bruno Blesch beim 
Innenausbau nur wenige Materialien ein, und zeigt diese in ihrer unverfälschten Charakteristik: Etwa bei den Bodenbelägen und Einbaumöbeln aus Eiche oder der unbehandelten Stahloberfläche der Ofenfront. Passend dazu wählte er für die neuen Holzfenster einen warmgrauen Farbton, da ihm das Weiß der früheren Fenster nicht mehr zusagte. Sorgfältig zusammengestelltes Interieur rundet das bis ins Detail stimmige Ambiente ab. 

(aus der Zeitschrift Althaus modernisieren 12/1-2019)   

Die Fassade des alten Forstamts beeindruckt mit ihren außergewöhnlichen Details, die hohe Handwerkskunst zeigen. Foto: Bernhard Müller
Eine Hochsitzvariante, die sicher auch dem ursprünglichen Nutzer des Gebäudes gefallen hätte. Foto: Bernhard Müller
Das vertikale Eiche-Schrankelement ummantelt den als Versorgungskanal dienenden ehemaligen Kamin, hinter den Spiegeltüren verbirgt sich weitere Lagerfläche. Foto: Bernhard Müller
An kalten Herbst- und Wintertagen ein begehrter Ort: der gemütliche Platz vor dem Ofen mit Stahlfront. Foto: Bernhard Müller
 Die Treppe wurde restauriert, der gelb gestrichene Handlauf setzt einen schicken Farbakzent. Foto: Bernhard Müller

Fakten

Baujahr: 1885–1886
Wohnfläche: 196 m2
Bauweise: massive Außenwände aus bis zu 80 Zentimeter dickem Muschelkalk-Bruchsteinmauerwerk; Eckpfeiler und Gewände aus Buntsandstein
Heizung: Öl-Brennwertkessel, Heizkamin
Architekt: überbau architektur, Bruno Blesch, www.ueber-bau.de

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