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Smarthome nachrüsten

08.01.2015

Sie haben ein Haus, das bislang kein bisschen intelligent ist? Keine Bange, Sie können nachrüsten, es gibt viele Möglichkeiten, den IQ der eigenen vier Wände auch nachträglich zu steigern.

Erstkontakt per Funk

Die einfachste Smarthome-Lösung bietet ein funkgestütztes System. Es steuert von einer Zentrale aus – dem sogenannten Heimserver – alle möglichen elektrischen Verbraucher. Für die Befehlsübertragung kommt meist ein eigenes Funk-Datennetz zum Einsatz. In Systemen wie dem etablierten RWE Smarthome oder dem brandneuen Devolo Home Connect gelingt der Einstieg so völlig ohne Elektroinstallation. Steuerbare Geräte werden über Steckdosen-Adapter angebunden. Die Heizung regeln solche Systeme über batteriebetriebene Stellmotoren, die man statt der normalen Drehregler auf die Heizkörperventile schraubt.Die Steuerzentrale von Devolo lässt sich direkt in einer Steckdose installieren. Praktisch: Sie lässt sich dank Powerline-Technik über das Stromnetz mit dem Internet-Router verbinden.

Damit ist der Anfang gemacht, man kann nun die angeschlossenen Geräte per App oder PC steuern. Doch das allein ist noch nicht sehr schlau. Intelligenz muss man dem System erst beibringen. Dafür gibt es Sensoren, die Umgebungsbedingungen im Haus ermitteln und ebenfalls per Funk an die Zentrale melden. Fensterkontakte etwa erkennen, ob ein Fenster geöffnet ist, ein Bewegungsmelder merkt, ob jemand im Raum ist. Dazu kommen Temperatursensoren oder eine Wetterstation. Manche Systeme holen die aktuelle Wettervorhersage  auch aus dem Internet. Mithilfe dieser Informationen führt die Smarthome-Zentrale Befehle nach bestimmten Bedingungen aus. Man kann etwa einstellen, dass die Heizung heruntergeregelt wird, sobald sich niemand mehr im Haus befindet – und zwar um so weiter herunter, je wärmer es draußen ist.

Oder das System schaltet die Heizkörper in einem Raum ab, sobald ein Fenster offen steht. Oder das Licht geht an, sobald der Bewegungssensor im jeweiligen Raum Personen erkennt. Solche automatischen Steuerungs-Szenarien lassen sich mit Tast-Sensoren ergänzen.

Die sehen aus wie klassische Lichtschalter, funken aber Befehle zur Smarthome-Zentrale, statt einfach Stromkreise zu schließen. Auch die lassen sich jeder beliebigen Aufgabe zuordnen – oder einer ganzen Reihe davon. Ein Taster neben dem Bett etwa kann nach dem Wecken eine Morgenroutine starten: Mit einem Tastendruck startet in der Küche das Radio, schaltet sich die Kaffeemaschine ein und heizt das Badezimmer auf wohlige 23 Grad hoch – so kann der Tag starten.

Die Grenzen des Systems

Solche Automatismen lassen sich immer weiter entwickeln. Die Einsteigersysteme sprechen dabei einerseits den Wunsch nach Komfort an, bieten aber auch ein unendliches Betätigungsfeld für Spielernaturen. Dazu zählt, dass man die Funktionen sowohl innerhalb des Hauses als auch von außerhalb aufrufen kann, etwa über zugehörige Smartphone- oder Tablet-Apps. Wer mag, der kann mit einigen Systemen eine Webcam in seinen Weinkeller installieren und dann auf

Geschäftsreisen damit imponieren, welch edle Tropfen in den Gewölben lagern – oder einen Bewegungsmelder der meldet, wenn der Nachwuchs sich über die Schätze hermacht.

Grenzen des Do-it-Yourself-Smarthomes sind allerdings erreicht, sobald Elektroinstallationen notwendig sind. Viele Einsteigerpakete sehen erst gar keine Schaltbausteine – die sogenannten Aktoren – für eine feste Montage vor. Sie können also per Steckdose angeschlossene Stehlampen steuern, nicht aber klassische Raumleuchten an der Decke. Dafür sind Unterputz-Aktoren an der Leuchte oder im Schalter notwendig, die ein Profi installieren muss. Devolo etwa hat solche Bausteine bislang nicht im Programm, wohl aber das Smarthome-Funksystem RWE Smarthome .

Allerdings wachsen die Systeme auch mit der Zeit – bei RWE kamen Unterputz-Aktoren und -Sensoren erst ein gutes Jahr nach der Einführung des Produktes ins Programm. Und für das Funksystem Z-Wave, mit dem Devolo seine Daten überträgt, gibt es ebenso Komponenten für die Installation in der Wand. Ihre Ansteuerung ist eine Frage der Software in der Steuerungszentrale.

Spezialisierte Lösungen

Neben universellen Einsteigerlösungen für alle möglichen Funktionen gibt es auch Smarthome-Funksysteme, die spezielle Aufgaben erfüllen. Systeme wie Tado, Alpha EOS oder Honeywell evohome etwa haben sich auf die effiziente Steuerung von Heizungen spezialisiert und setzen dabei vor allem aufwendige Lernfunktionen ein. Sie erkennen immer wiederkehrende Gewohnheiten der Bewohner oder Aufheiz- und Abkühl-Eigenschaften des Gebäudes und ermitteln daraus eine möglichst genaue, automatische Justage der Heizung.

Während bei den universellen Smarthome-Einsteigerpaketen eher das Versprechen im Vordergrund steht, typische Abläufe zu automatisieren und über das Internet zugänglich zu machen, steht bei diesen Heizungssteuerungen der Sparfaktor im Mittelpunkt. Dank der automatischen Regelung sollen sie den Energieverbrauch ohne Komfortverluste möglichst weit eindämmen. In den meisten Fällen lassen sich auch diese Systeme selbst installieren und in Betrieb nehmen.

Funksysteme fürs ganze Haus

Wer sein gesamtes Haus mit allen elektrischen Verbrauchern mit intelligenter Gebäudesteuerung versehen möchte, der muss eine Stufe höher einsteigen – und neben dem Elektroinstallateur auch in ein Stück Planung investieren. Systeme wie der Rademacher Homepilot  oder auch Mitbewerber wie Homematic von eQ3 haben Steuerungskomponenten für wirklich alle Gerätschaften im Programm. Die meisten Sensoren und Aktoren lassen sich dabei recht unauffällig installieren, Schalt-Sensoren etwa kommen hinter die vorhandenen Schalter, Licht- oder Rollladenaktoren direkt an die jeweiligen Leuchten und Motoren.

Auf diese Weise lässt sich auch jede Steckdose im Wohnzimmer schaltbar machen, etwa um die Hi-Fi-Anlage oder den PC nachts vom Netz zu trennen oder Stehlampen in automatische Lichtszenen zu integrieren. Wer eine solche Anlage plant, der sollte tatsächlich die Räume seines Hauses abschreiten und zusammenzählen, wie viele Leuchtenschalter, -Dimmer, Rollladenmotoren, Steckdosen und weitere Verbraucher das System kontrollieren soll und welche Umgebungs- und Schalt-Sensoren er für die Steuerung benötigt. Smarthome-Profis erstellen dafür ein sogenanntes Raumbuch, in dem sie alle steuerbaren Gewerke verzeichnen.  

Bus-System ohne neue Kabel

Auch Elektriker, die ein Haus mit dem Smart-home-System von Digitalstrom ausrüsten, müssen zunächst alle Verbraucher zählen. Digitalstrom nutzt keine Funk-Datenübertragung, sondern das Stromnetz für die Befehls-Übermittlung zwischen Sensoren, Zenrale und Verbrauchern – also Leuchten, Rollladenmotoren und anderen Gerätschaften. Das System wird vom Elektriker installiert, der Nutzer kann es aber selbst konfigurieren und sogDer Digitalstromserver wird im Sicherungskasten installiert. Zusammen mit Stromfiltern und einem Digitalstrom-Meter pro Sicherungs-Stromkreis bildet er die Zentrale des Systems.ar erweitern. Der Server nimmt mit vielen anderen vernetzten Geräten wie Multiroom-Anlagen oder  Heizungssteuerungen übers normale Heimnetzwerk per Kabel oder WLAN Kontakt auf.

Eine Stärke des Systems ist eben diese Offenheit. Egal ob Netzwerkanlagen von Sonos oder Raumfeld, Heizkörpersteuerungen mit dem Enocean-Funksystem oder Wasserarmaturen mit LAN-Anschluss – Digitalstrom steuert sie alle mit. Passend zu neuen, netzwerkfähigen Gerätschaften entwickelt der Hersteller Digitalstrom-Apps, die der Nutzer selbst auf dem Server installiert.

So lässt sich etwa die Haustürklingel durch eine freundliche Stimme aus der Multiroom-Anlage ersetzen. Geöffnet wird dann per Sprachbefehl ins Smartphone, denn das kann Digitalstrom auch. Solche Funktionen klingen fast wie Science Fiction – und sind manchen Zeitgenossen auch schon zu viel Schnick-Schnack. Doch das Gute daran ist, dass sich jeder selbst aussuchen kann, ob er ein Feature tatsächlich haben möchte – oder eben nicht.

Preis-Fragen

„Was kostet das?“ – ist eine verständliche Frage von Interessenten; „Es kommt darauf an“, die einzige richtige Antwort. Es ist schwierig, die Kosten verschiedener Systeme zu vergleichen und pauschale Aussagen zu machen. Wir zeigen eine Preisübersicht zu den Komponenten der drei vorgestellten Systeme. Vergleichbar werden sie deshalb nicht – auch wegen der unterschiedlichen Installation.

 

Preisübersicht hier als PDF zum Download >>