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Dachausbau mit Weitblick

24.03.2016

Altes und Neues: Wer von oben auf die Kochinsel schaut, hat das alte Balkenwerk und die moderne Küche gleichzeitig im Blick. Foto: Christian Schaulin

Roland Fehrs Herz hängt an diesem Haus. Schon als Student hat er in der Mansarde des Jugendstiljuwels gewohnt, das sein Urgroßvater im Jahre 1904 erbaut hatte. „Mein Schreibtisch befand sich so ungefähr dort, wo jetzt unser Esstisch steht“, erzählt er. „Im Sommer war’s damals unter dem Dach unerträglich heiß, im Winter eiskalt.“ Nach der Studienzeit zogen Roland Fehr und seine Frau in ein Häuschen mit Garten. Das Stadthaus verkam zusehends. „Irgendwann war klar, wenn wir das Haus im Familienbesitz erhalten wollen, müssen wir modernisieren.“

Schnell fiel der Startschuss: Das gesamte Gebäude wurde saniert und in haustechnischer und energetischer Hinsicht auf den Stand der Zeit gebracht – mit neuer Dämmung und einem neuen, auf einer Luft/Wasser-Wärmepumpe basierendem Heizsystem. Die denkmalgeschützte Fassade mit Jugendstildetails, Sprossenfenstern und Stuckverzierungen wurde wieder hergestellt – und die Mansarde plus Spitzboden zur 220 Quadratmeter-Maisonettewohnung mit Balkon ausgebaut. Mit dem Um- und Ausbau beauftragten die Eigentümer die Darmstädter Architektin Anja Thede. Deren gelungene Sanierung eines Stadthauses ähnlichen Baujahrs hatten sie in einer Zeitschrift gesehen. „Die Art, wie Frau Thede charakteristische Elemente des Altbaus freilegt und erhält und dazu moderne Einbauten ergänzt, gefiel uns auf Anhieb“, so die Bauherren.

Rund um die Kochinsel ist viel Freiraum vorhanden. Die angrenzende Stahltreppe führt hinauf ins Dachgeschoss. Foto: Christian Schaulin

Die Entkernung der Obergeschosse legte die komplexe Tragstruktur des alten Dachstuhls frei. Zwischenwände wurden weitestgehend entfernt; die Holzstützen und -träger mussten aus statischen Gründen jedoch fast alle erhalten bleiben. Um den nun offenen Allraum zu gliedern, fügte die Architektin drei wesentliche neue Elemente ein: Eine schwarz lackierte Treppenskulptur, die den Ess- und Wohnbereich mit dem Zugang zum Südbalkon unterm Dach verbindet; eine weiße Kochinsel sowie einen schwarzen Kubus als Küchenschrank und Raumteiler zum Eingangsbereich. Aufbrüche in der Zwischendecke und den Dachflächen holen reichlich Tageslicht ins Haus. Nach nur einem guten Jahr Umbauzeit hat sich die verschachtelte, düstere Mansarde in eine lichte Loftwohnung gewandelt.

Bildergalerie

Schwarz-Weiß-Kontraste dominieren die luftigen Räume. Foto: Christian Schaulin
Die Kochinsel steht in der Mittelachse zwischen zwei Gaubenfenstern. Foto: Christian Schaulin
Die markante Wendeltreppe steht wie eine mächtige Skulptur im Raum. Foto: Christian Schaulin
Der gemauerte Schornstein blieb erhalten, um später einen Heizkamin anschließen zu können. Foto: Christian Schaulin
Stauraum ohne Ende. Nach Entwürfen der Architektin hat die Schreinerei Elmar Busch die Einbauschränke gebaut. Foto: Christian Schaulin
Schwarz und Weiß dominieren auch das Duschbad mit den zwei nebeneinander angeordneten Waschbecken. Foto: Christian Schaulin
Große Glasflächen holen Licht unters Dach. Die teilweise überdachte Loggia kam neu hinzu. Foto: Christian Schaulin
Die frei stehende Badewanne mit Blick in den Himmel ist eine Herzensangelegenheit der Hausherrin. Foto: Christian Schaulin

Fakten

Baujahr:1904
 
Wohnfläche: 220 m2
 
Konstruktion:
Außenwände aus Backstein, Innendämmung mit Calciumsilikatplatten, Innenwände in Holzständerbauweise, Holzfenster
 
Innenausbau:
Bodenbelag aus Vollholzdielen, Wandbeläge aus Kalkputz und Mineralfarbe; Küche, Einbauten und Esstisch: Bulthaup; Badewanne von Agape, Armatur: Axor, Waschbecken: Alape
 
Heizsystem:
Luft/Wasser-Wärmepumpe
 
Architektin:
Anja Thede Architektur Wenckstraße 45, d
64289 Darmstadt
Telefon 06151/74288
www.a-thede.de

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