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Hausschwamm erkennen, vorbeugen und bekämpfen

20.03.2017

 


Foto: fotolia©Michael (#128382357)

Unter Wissenschaftlern kursiert er unter „Serpula lacrymans“, für besorgte Bewohner ist der zur Ordnung der Dickröhrlingsartigen gehörende Schwamm auch als Hausschwamm bekannt. So mancher Altbau ist dem gefürchteten Hausschwamm zum Opfer gefallen. Experten gehen etwa in der Bundeshauptstadt Berlin von einem Befall von etwa fünfzehn Prozent aller Altbauwohnungen aus. Viele Eigentümer und Mieter warten oftmals aus Unkenntnis zu lange, ehe es für eine örtlich begrenzte Sanierungsmaßnahme zu spät ist, und Teile von Gebäuden entfernt werden müssen. Woran ist die gefährlichste aller Schadpilz-Varianten zu erkennen, und wie können Schäden sanierungstechnisch und finanziell in Grenzen gehalten werden?

Wie ein Spiegelei

Anspruchslos aber aggressiv sind die beiden Attribute, die am häufigsten im Zusammenhang mit dem Echten Hausschwamm genannt werden. Hat er sich erst einmal in der Wirtssubstanz eingenistet, ist seine Bekämpfung alles andere als einfach und kurzfristig. Bereits kleinste Mengen gefährden das Haus, da er sich schnell ausbreiten kann und äußerst genügsam in seinen Ansprüchen ist. Dabei ist er besonders gefürchtet, da er Holz angreift und dadurch unter anderem die Stabilität holzhaltiger Baumaterialien gefährdet.

Am besten ist der Pilz durch seine Zweifarbigkeit zu erkennen, die durch Bakterien ausgelöst wird: Das befallene Holz weist Braun- und Destruktionsfäule auf, das Pilzmyzel besteht aus hanfartigen Fasern und die Fruchtkörper sind im äußeren Randbereich weißlich, watteartig und im Kern ockerfarben bis orange. Hat der Echte Hausschwamm eine gewisse Größe erreicht, scheidet er Flüssigkeits-Tröpfchen aus.

Im fortgeschrittenen Stadium kann der Hausschwamm anderthalb Zentimeter dick und mehr als einen Meter lang werden.

Ungebetenes Kellerkind

In der Regel sind feuchte Areale wie Keller das Einfallstor für den aggressiven Mitbewohner. Normalerweise finden sich ihre Sporen überall, in der Luft oder auch auf dem Boden. In Gebäuden dringen sie nur dann vor, wenn sie ein feuchtes Kleinklima vorfinden. Vorzugsweise an verbauten feuchten Nadelhölzern erobert er schnell Terrain und breitet sich von dort im Laufe der Zeit in die oberen Stockwerke aus.

Um wachsen zu können benötigt der Schwamm feuchte Untergründe, Mauerwerke oder feuchtes Holz mit einer Holzfeuchte von 40 bis 50 Prozent. Fehlende Belüftung und Luftzirkulation bei moderaten bis zimmerwarmen Temperaturen (ideal: 18-20 Grad), wie sie oft in alten Kellern vorherrschen, bieten ideale Brutstätte und Wachstumsbedingungen. Da der Pilz im Anfangsstadium Nadelhölzer benötigt, sollte gerade in älteren Gebäuden auf den Verbau von Fichte- Tanne und Kiefernhölzer in luft-feuchten Kellerarealen verzichtet werden. Buchen- und Eichenholz dagegen sind vor einem Befall im Jungstadium sicher.

In trockeneren Neubauten kann er sich nur dann breitmachen, wenn Feuchtigkeitsschäden etwa durch defekte Wasserrohrleitungen vorliegen. Ein kleiner Haarriss in einer Wasserleitung kann ausreichen, um die Keimung des Pilzes anzuregen. Der Schwamm benötigt aber über einige Wochen Feuchtigkeit, um wachsen und keimen zu können. Allerdings und das ist das Tückische: Fehlt Feuchtigkeit, fällt der Schwamm in eine Art Trockenstarre, die zehn Jahre und länger andauern kann, ohne dass der Pilz abstirbt.

Auf Wanderschaft

Hat sich der Bauschädling erst einmal eingenistet, breitet er sich bei günstigen Wachstumsbedingungen kontinuierlich, teilweise rasant in die oberen Stockwerke aus. Besonders betroffen sind Dielen, Fußleisten, Türrahmen und im letzten Stadium auch Dachbalken.

Dabei wird die Holzsubstanz zersetzt und wird zunächst spröde und rissig, bis das Holz komplett mehlig wird und zerbröselt – besonders gefährlich bei tragenden Holzkonstruktionen wie im Dachstuhl. Kommt der Schwamm erst einmal zum Blühen, macht er auch vor Laubhölzern wie Balken aus Buchenholz nicht Halt.

Im Dachareal sind besonders die Bereiche um die Traufe des Dachs oder undichte Einfassungen von Schornsteinen betroffen und sollten in regelmäßigen Zeitintervallen auf Befall hin kontrolliert werden. Aber auch in feuchtes Mauerwerk dringt der eigentliche Holzparasit vor, hier gilt es vor allem auf Mauerwerk des Kellerbereichs und der Brandwände zu achten.

Vorbeugen leichter als behandeln

Bester Schutz vor einem Befall des Echten Hausschwamms bietet umfassendes Feuchtemanagement wie

  • regelmäßiges, großzügiges Lüften, vor allem der unteren Stockwerke und des Kellerbereichs
  • intensives Durchheizen des gesamten Gebäudes in der Winterperiode
  • großzügiges Aufstellen und regelmäßiges Warten von Luftentfeuchtern im Kellerbereich
  • das Einhalten ausreichender Trocknungszeiten bei Neubauten
  • eine Bevorzugung von länger abgelagertem, vollständig durchgetrockneten Harthölzern (Buche, Eiche, Meranti etc.)
  • ein Vermeiden von Weichhölzern wie Nadelgehölzen als Bauelemente
  • zeitnahes Verschließen von entstandenen Lücken in der Dacheindeckung
  • eine umgehende Reparatur von undichten Wasserleitungen, defekten Regenrinnen und Fallrohren
  • das Aufstellen von Bauentlüftern nach Wasserschäden
  • das Lagern von Brennholz und Kartonagen in trockenen Räumen außerhalb des Kellerbereichs.

Tiefgreifende Sanierungsmaßnahmen erforderlich

Ist der Ernstfall eingetreten und hat sich der Schwamm erstmal sichtbar eingenistet, reichen Einzelmaßnahmen nicht aus. Nur ein umfassendes Sanierungspaket kann Erfolge zeitigen und dem Eindringling den Garaus bereiten.

In jedem Fall ist professionelle Hilfe von Firmen vonnöten, die sich auf entsprechende Sanierungsmaßnahmen spezialisiert haben. Mittels Endoskopie wird vom Fachmann die Bausubstanz auf versteckte Schäden untersucht und Proben zur Pilzbestimmung in einem Labor ausgewertet.

Denn: Neben dem Echten Hausschwamm können Wohnungen auch von anderen Pilzen wie der Moderfäule, dem weißen Porenschwamm, der Weißlochfäule oder Braunfäule befallen sein, die allesamt vergleichsweise weit weniger aggressiv und leichter zu bekämpfen sind. Rund 300 Euro werden für eine endoskopische Untersuchung einer Wohnung fällig, rund 2.000 Euro für ein ganzes Haus.

Foto: fotolia©Miredi (#34978570)

Zunächst werden bei einer Sanierung alle Hölzer aus sichtbaren, befallenen Zonen bis zu einem Radius von anderthalb Metern entfernt, befallene Konstruktionshölzer anschließend verbrannt, um die Sporen abzutöten. Anschließend müssen Holzreste wie Holzdübel entfernt werden und die befallenen Stellen getrocknet werden. Erst dann kommen neue Harthölzer zum Einsatz.

Da Pilzmyzel und Sporen auch in feuchtes Mauerwerk eindringt und sich ausbreiten, müssen in angrenzenden Arealen von befallenen Zonen Putze entfernt und das darunterliegende Mauerwerk abgeflammt werden. Ab einer Temperatur von etwa 50 Grad sterben Pilzgeflecht und Sporen zuverlässig ab. Auch das Einbringen von chemischen Schwammsperrmitteln oder mehrfache Injektionen von Bor-haltigen Lösungen haben sich bewährt.

Allmählichkeitsschaden durch Privathaftpflicht abgedeckt

Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen werden von Experten auf Kosten etwa zwischen 10.000 und 20.000 Euro taxiert. Wohnungseigentümer und Mieter müssen jedoch nicht zwangsläufig auf den Kosten sitzen bleiben, seit einigen Jahren helfen neue Versicherungstarife.

Da Schwammbefall oftmals unbemerkt über einen längeren Zeitraum entsteht und teilweise hohe Kosten verursachen kann, fällt er bei Versicherern seit wenigen Jahren in zunehmendem Maße unter die Rubrik von sogenannten Allmählichkeitsschäden.

Eine Absicherung gegen Allmählichkeitsschäden kann sowohl für Mieter als auch für Vermieter und Bauherren wichtig werden, da derartige Risiken über die Haus- und Grundbesitzer-Haftpflicht oder die Gebäudeversicherung abgedeckt werden können. Auch Betriebe, Selbstständige und Freiberufler können sich mittlerweile über die Betriebshaftpflicht gegen Allmählichkeitsschäden absichern.

In der Vergangenheit waren solche Allmählichkeitsschäden von den Versicherern als herkömmliche Verschleißerscheinungen definiert worden, die meisten Gesellschaften traten für die aufgetretenen Schäden nicht ein. Im Zuge verstärkten Konkurrenzdrucks fiel 2008 jedoch der Ausschluss von Allmählichkeitsschäden aus den Versicherungsleistungen einer Privathaftpflicht weg.

Unter Allmählichkeitsschäden werden Personen-, Sach- und Vermögensschäden verstanden, die durch allmähliche Einwirkung von Rauch, Ruß, Staub, Dämpfe, Temperatur oder Feuchtigkeit langsam entstanden sind.

Verbreitete Allmählichkeitsschäden sind etwa Schimmelbildung oder Wellenbildung in Parkett- oder Laminatböden aufgrund nur geringfügig beschädigter Wasserleitungen. Entscheidend für einen positiven Entscheid über das Vorliegen eines von der Versicherungsgesellschaft abzuwickelnden Schadensfalls ist, dass das ursächliche Ereignis wie dem Befall von Substanz durch den Echten Hausschwamm zu einer länger anhaltenden schädlichen Einwirkung geführt hat.

Allmählichkeitsschäden sind allerdings nicht bei jeder Haftpflicht-Police automatisch mitversichert. Grundsätzlich ausgeschlossen sind Allmählichkeitsschäden bei älteren Verträgen, die auf Grundlage der Allgemeinen Versicherungsbedingungen für die Haftpflichtversicherung in der Fassung von 2002 oder älter abgeschlossen wurden. Erst mit den Allgemeinen Haftpflicht Bedingungen von 2008 wurde der generelle Ausschluss von Allmählichkeitsschäden aufgehoben.

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