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Was bringt ein smartes Heizgerät?

03.07.2017

Der Trend zur Digitalisierung macht sich auch beim Heizsystem bemerkbar. Immer mehr Hersteller bieten einen Fern-Zugang zur Wärmeerzeuger-Intelligenz. Althausbesitzer können dabei mehrfach profitieren: durch höheren Komfort, geringeren Energieverbrauch und besseren Wartungsservice beim Heizgerät.

Foto: Buderus

Viele bestehende, aber auch neue Heizungsanlagen verursachen unnötig hohe Energiekosten, weil die Kernkomponenten nicht richtig oder nicht optimal aufeinander abgestimmt sind. Wichtig ist zum einen, dass der Fachhandwerker den sogenannten hydraulischen Abgleich durchführt, damit die Heizwasserströme bedarfsgerecht fließen können. Die zweite wichtige Voraussetzung für hohe Energieeffizienz und hohen Wärmekomfort ist, dass sowohl das Regelgerät des Wärmerzeugers als auch die Regelung der Raumheizflächen individuell, bedarfsgerecht und nutzerorientiert einjustiert werden. Noch besser ist es, wenn die beiden Regelkreise miteinander interagieren. So wird zum Beispiel die Vorlauftemperatur energiesparend reduziert, wenn in den Wohnräumen über einen längeren Zeitraum keine Wärmeabnahme erfolgt.

Noch typisch für die meisten Wärmeerzeuger: Die Einstellungen werden direkt am (eingebauten) Regelgerät durchgeführt. Hausbesitzer sollten sich bei der Inbetriebnahme vom Fachhandwerker in die Einstellmöglichkeiten einweisen lassen. Foto: Vaillant

Die erste Spar- und Komfortstufe ist die sogenannte witterungsgeführte Regelung, die meist am oder im Wärmeerzeuger sitzt. Diese erfasst die Außentemperatur mittels eines Außenfühlers, wertet die Daten aus und bestimmt daraus die vom Heizgerät bereitzustellende Vorlauftemperatur des Heizwassers. Für die richtige Zuordnung sorgt dabei die sogenannte Heizkurve, die bei der Inbetriebnahme einjustiert wird. Bereits hier spielen die neuen, vernetzbaren Regler-Generationen ihre Vorteile aus. Denn immer mehr Hersteller setzen auf einen integrierten oder per App nutzbaren „Installationsassistenten“, der den Fachmann durch ein möglichst intuitives Inbetriebnahme-Menü führt. Vorprogrammierte Systemlogiken und Funktionstests erleichtern das korrekte Einstellen; dadurch sinkt das Fehlerrisiko.

Beispiel für den Trend zur digitalen Heizung: Der witterungsgeführte Systemregler „multiMATIC 700“ (als Kabel- und Funk-Version) ermöglicht in Verbindung mit dem Internetkommunikationsmodul „VR 900“ den Fernzugriff auf Vaillant-Wärmeerzeuger. Foto: Vaillant

Die digitale Produktgeneration verfügt über ein integriertes oder externes Kommunikations-/Schnittstellenmodul, welches den Nutzern und Handwerkern künftig zusätzlich den Zugriff aus der Ferne erlaubt. Meist wird die Verbindung über LAN-Kabel oder WLAN mit dem Router des Heimnetzwerks verbunden. Interessant ist, dass nicht nur neue, sondern auch bestimmte, bereits mehrere Jahre alte Wärmeerzeuger sich per nachrüstbarem Kommunikationsmodul in das lokale Netzwerk einbinden lassen. Verbindliche Auskunft über diese Möglichkeit geben die jeweiligen Produzenten.

Nach der Hardware-Installation und der App-/Software-Einrichtung ist das Monitoring der Anlage über ein Smartphone, ein Tablet oder mit einem Computer zum Beispiel vom Wohnzimmer aus möglich. Manche Hersteller haben zusätzlich noch spezielle, vernetzbare Raumbediengeräte im Angebot, die einen ergänzenden Zugriff auf die Einstell
menüs erlauben.

Alle relevanten Funktionen und Parameter des Heizsystems können im Klartext angezeigt werden. Dazu gehören die Statusanzeigen für Betriebszustände und Temperaturen sowie die Visualisierung der Zeitprogramme und der Heizkurve. 
Außerdem kann der Nutzer seine persönlichen Komforteinstellungen bequem vom Sofa aus ändern.

Smarte Heizungsregler, wie der „IDA“ von Brötje (rechts) und der „Control CT100“ von Junkers (links), sind zur Montage im Wohnraum konzipiert. Ohne Internetverbindung lassen sich im (Touch-)Farbdisplay die wichtigsten Anlagenparameter und Betriebsarten abrufen und anpassen. Ergänzend ist eine WLAN-Verbindung und die Bedienung per App oder PC möglich. Wird der Internetzugriff zugelassen, lässt sich das Heizsystem auch von außerhalb des Hauses kontrollieren. Fotos: Junkers (links), Brötje (rechts)

Sowohl praktisch als auch finanziell lohnend kann sich eine weitere Option erweisen: Die Möglichkeit, die aktuellen und historischen Energieverbräuche des Heizgeräts sowie eventuelle Wärmeerträge, zum Beispiel von einer Solarthermieanlage, abzulesen und auszuwerten. Dadurch lässt sich frühzeitig erkennen, ob das Heizsystem energetisch optimal läuft oder ob eventuell (unentdeckte) Störungen oder falsche Einstellungen einen überhöhten Verbrauch oder zu geringe Solarerträge verursachen. In solchen Fällen kann der Hausbesitzer oder der Heizungsfachmann zeitnah eingreifen und nicht erst dann, wenn der Energieversorger eine außergewöhnlich hohe Jahresabrechnung für Wärmepumpenstrom oder Erdgas schickt.Weitere interessante Anwendungen eröffnen sich, falls sich der Hausbesitzer für den optionalen Internet-Zugriff entscheidet. In diesem Fall läuft die Kommunikation meist über vom Heiztechnikhersteller bereitgestellte, gesicherte Server. Dann lassen sich externe Informationen, wie Wetterdaten, für die energetische Optimierung nutzen. Außerdem kann der Hausbesitzer seine Heizung per App oder PC zusätzlich von außerhalb des Hauses überwachen und bedienen. Und er kann dem Heizungsfachhandwerker seines Vertrauens auch einen Fernzugriff auf das Heizsystem erlauben. Dieser ist dann in der Lage, mit 
zusätzlichen Profi-Tools sowie mit seinem Sachverstand bei Bedarf zu prüfen, ob die Heizung problemlos und effizient arbeitet, oder ob sie zum Beispiel aus der Ferne nachjustiert werden muss. Eventuell ist auch ein Wartungseinsatz vor Ort erforderlich, um vorausschauend einen Heizungsausfall zu vermeiden. Und falls ein Störungsfall eintritt, kann der Handwerker diesen nicht nur selbst erkennen, sondern auch die möglichen Ursachen und eventuell defekte Bauteile identifizieren. Auf diese Weise laufen Kundendiensteinsätze beschleunigt und reibungsloser und somit für den Hausbesitzer kostengünstiger ab.

Die Entwicklung bei der digitalen Heizung geht weiter: Die Heizungsindustrie arbeitet zum Beispiel an der Bedienung per Sprachsteuerung sowie an der umfassenden und standardisierten Smart-Home-Vernetzung.

(aus der Zeitschrift Althaus modernisieren 6/7-2017)