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Brennwerttechnik: Sparsam heizen mit Gas und Öl

15.03.2018

Althausbesitzer bevorzugen überwiegend Öl- und Gas-Wärmeerzeuger. Doch kostensparendes und umweltschonendes Heizen mit den fossilen Energieträgern gelingt nur, wenn moderne Brennwerttechnik zum Einsatz kommt. Wir zeigen, was dabei zu beachten ist.

Foto: Junkers
Auch unterm ausgebauten Dach lässt sich ein neuer Gas-Brennwertwandkessel mit Speicher aufstellen. Vorteile: kein Schornsteinanschluss nötig und kurzer Weg zu den (optionalen) Sonnenkollektoren. Foto: Junkers

Rund 75 Prozent aller Wohnungen in Deutschland wurden im Jahr 2016 mit Erdgas (49 Prozent) und Heizöl (26 Prozent) beheizt. Damit bestätigt sich erneut der Trend, dass die langjährige Vormachtstellung der fossilen Brennstoffe bei der Gebäudebeheizung nach wie vor Bestand hat. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass alte Heizkessel im Schnitt nur alle 20 bis 25 Jahre ausgetauscht werden. Und falls in der Vergangenheit der Modernisierungsfall eintrat, blieben fast alle Hausbesitzer entweder beim selben Brennstoff oder wechselten von Öl zu Gas.

6 Prozent aller im Jahr 2016 verkauften Wärmeerzeuger waren gasbefeuert. Dass Erdgas sowohl bei Modernisierern als auch bei Bauherren noch immer der mit Abstand beliebteste Energieträger ist, hat verschiedene Gründe. Zum einen ist der Umgang mit dem Brenngas sehr bequem, weil es per Leitung ins Haus kommt und deshalb keinerlei Lagerfläche benötigt.

Weitere Vorteile von Gas sind eine geruchlose Betriebsweise sowie die Option, den Brennstoff auch zum Kochen einzusetzen. Hinzu kommt, dass es innerhalb des großen Gasheizgeräteangebots schon relativ preisgünstige Einstiegsmodelle gibt. Besonders beliebt sind wandhängende Modelle, die kompakt gebaut sind, ein geringes Gewicht haben und relativ leise arbeiten. Deshalb eignen sie sich für die Montage in Bädern, in Abstell- oder Hausarbeitsräumen, hinter Wandschränken in Fluren oder Küchen sowie direkt unterm Dach.

Der Anteil der im Jahr 2016 abgesetzten Öl-Wärmeerzeuger lag bei rund 10 Prozent. Öl-Heizungsbesitzer schätzen vor allem die Sicherheit, die ihnen der eingelagerte Brennstoffvorrat vor eventuellen Versorgungsengpässen bietet. Zudem können sie Menge und Zeitpunkt des Energiekaufs selbst bestimmen und haben so zumindest die Chance, preisgünstig an den Brennstoff zu kommen.

Brennwerttechnik mit Gas und Öl

Egal ob Öl oder Gas: Den langfristig wirksamsten und stabilsten Schutz vor eventuell wieder (stärker) steigenden Brennstoffkosten bieten moderne, energiesparende Wärmeerzeuger. In der Vergangenheit konnten Modernisierer noch zwischen einem Niedertemperatur- und einem Brennwertkessel wählen. Im Rahmen der zum 26. September 2015 in Kraft getretenen Ökodesign-Richtlinie ist im Eigenheimbereich die Brennwerttechnik zum Mindeststandard geworden. Und die Brennstoffersparnis durch den Einsatz moderner Öl- und Gas-Heiztechnik kann sich sehen lassen: Wird zum Beispiel ein 25 bis 30 Jahre alter Kessel durch ein Brennwertgerät ersetzt, lässt sich der Brennstoffverbrauch um bis zu 30 Prozent verringern – abhängig von den individuellen Bedingungen.

Die hohe Einsparung kommt vor allem auch dadurch zustande, dass bei den Brennwertheizgeräten ein zusätzlicher, meist integrierter Wärmetauscher zum Einsatz kommt. Dieser entzieht die Wärmeenergie aus dem Wasserdampf, der sonst ungenutzt mit dem heißen Abgasen ins Freie transportiert wird. Damit die sogenannte Kondensation stattfinden kann, muss das Abgas, abhängig vom Brennstoff,  abgekühlt werden: beim Einsatz von Erdgas auf unter 57 Grad Celsius und von Heizöl auf unter 47 Grad Celsius.

Grundsätzlich gelten für die energetische Effizienz einer Brennwertanlage folgende Zusammenhänge: Je niedriger die Heizwasser-Rücklauftemperatur ausfällt, desto stärker wird das Abgas abgekühlt und desto mehr Kondensat fällt an. Dadurch steigen der Wirkungsgrad und die Energieausnutzung des Heizgeräts. Damit die Kondensation möglichst ganzjährig, also auch bei tiefen Außentemperaturen, stattfindet, sollte die Heizwasservorlauftemperatur in Verbindung mit Heizkörpern auf 55 bis 60 Grad Celsius begrenzt werden. Dazu müssen in älteren, unsanierten Häusern eventuell einzelne oder alle Heizflächen gegen größere Modelle mit mehr Heizleistung ausgetauscht werden. Unter Energiespar- und Komfortaspekten lohnenswert ist zudem der Einbau neuer (programmierbarer) Heizkörperventile.

Werden die alten Heizkörper durch ein Flächenheizsystem abgelöst, verbessert sich die Energiebilanz bei einem Gas-Brennwertsystem noch einmal um etwa fünf bis sieben Prozent. Denn Flächenheizsysteme kommen mit idealen Vorlauftemperaturen von maximal 45 Grad Celsius zurecht.

 

Brnnstoff-Einsparung mit der neuen Brennwerttechnik. Foto: IWO
Heizungsmodernisierer haben gut Lachen: Im Vergleich zu ihrem alten Ölheizkessel kann die Brennstoff-Einsparung beim neuen, modernen Brennwertgerät beträchtlich ausfallen. IWO

Brennwertgeräte-Installation

Bei der Brennwertgeräte-Installation sind noch zwei wichtige Punkte zu beachten. Zum einen ist ein Abwasseranschluss notwendig, um das bei der Brennwertnutzung entstehende Kondensat abzuführen. Beim Einsatz von Gas darf die Einleitung der Flüssigkeit direkt ins Kanalsystem erfolgen. In Verbindung mit Heizöl geht dies nur, wenn der Brennwertkessel mit schwefelarmem Heizöl betrieben wird. Beim Einsatz von Standard-Heizöl ist eine Neutralisationseinrichtung notwendig. Des Weiteren ist, aufgrund der niedrigen Temperaturen und wegen der korrosiven Restfeuchte im Abgas, ein spezielles, druckdichtes und feuchte- unempfindliches Schornsteinsystem notwendig.

Wird also ein alter Konstant- oder Niedertemperatur-Kessel durch ein Brennwertgerät ersetzt, muss ein herkömmlicher Hausschornstein immer entsprechend umgerüstet beziehungsweise saniert werden. Der Heizungsfachmann zieht dazu meist ein Kunststoff- oder Metallrohr, das einen kleineren Durchmesser hat, in den bestehenden Schornsteinzug ein.

Wer ein neues Gasheizgerät sucht, kann unter einer großen Vielfalt von bodenstehenden und wandhängenden Modellen in unterschiedlichen Preiskategorien wählen. Praktisch ist, dass alle zum Betrieb notwendigen Bauteile, wie Brenner, Ausdehnungsgefäß, Pumpe und Regelgerät, heutzutage platzsparend unter dem Gehäuse integriert sind. Vorteilhaft ist zudem, dass die modernen Gasbrenner leise und umweltfreundlich arbeiten und ihre Heizleistung stufenlos und über einen großen Bereich hinweg dem jeweils aktuellen Wärmebedarf anpassen können. Am häufigsten wählen Eigenheimbesitzer ein wandhängendes Gas-Brennwertgerät,welches bei der Aufstellung eine
hohe Flexibilität bietet.

Bei den Öl-Wärmeerzeugern dominieren die bodenstehenden Modelle, welche meist im Heizraum und in der Nähe der Öltanks stehen. Umweltorientierte Modernisierer wählen einen Ölkessel mit schadstoffarmen, zweistufigen oder modulierenden (Blau-)Brenner.

Worauf sollten Althausbesitzer bei der Gas- und Öl-Wärmeerzeugerauswahl generell achten?

Wichtig sind vor allem eine passende, nicht (wesentlich) zu groß ausgelegte Heizleistung sowie möglichst hohe Wirkungsgrade. Und damit alle Effizienzvorteile der Brennwerttechnik später im Heizbetrieb auch zum Tragen kommen, sind zum einen niedrige Vorlauftemperaturen von Vorteil. Neben der oben genannten Maximalbegrenzung muss der Handwerker unbedingt auch die Heizkurve des Heizgeräts sorgfältig auf die Gebäudewerte einjustieren sowie einen hydraulischen Abgleich an den Heizflächen durchführen.

Modernisierer, die ihren fossilen Brennstoffverbrauch dauerhaft noch weiter senken und ihre Abhängigkeit von künftigen Preissteigerungen verringern wollen, sollten ergänzend ein erneuerbares Heizsystem nutzen. Am beliebtesten ist der Einbau einer Solarthermieanlage (zur Warmwasserbereitung oder Heizungsunterstützung) sowie ein wasserführender Holz- oder Pelletofen. Und auch eine Elektro-Wärmepumpe kann sich als Partner anbieten.

Übrigens: Der Staat belohnt solche Anschaffungen sowie sinnvolle Optimierungsmaßnahmen, wieden hydraulischen Abgleich, mit großzügigen Fördergeldern und Krediten, zum Beispiel im Rahmen des BAFA-Marktanreizprogramms oder der KfW-Förderprogramme.
(aus der Zeitschrift Althaus modernisieren 2/3-2018)

BILDERGALERIE - Bitte klicken Sie zur Großansicht auf die Bilder:

In Gas-Wandheizgeräten sind alle für den Betrieb notwendigen Komponenten, wie Brenner, Pumpe und Regler, unter dem Gehäuse integriert. Rotex
Auch bei Öl-Brennwertgeräten wird Wert auf ein gutes Design gelegt. Ein unterm Kessel liegender Warmwasserspeicher bietet sich an, falls es eng zugeht. Brötje
as-Brennwertzentralen vereinen Heizgerät sowie Warmwasser- oder Pufferspeicher oft sogar unter einer Haube. Sie benötigen zudem wenig Stellfläche. Junkers
Öl-Brennwert-Wärmeerzeuger stehen meist auf dem Boden und der Speicher wird daneben platziert. Unter der Kesselhaube befinden sich alle wichtigen Bauteile. Buderus

Weitere Infos zu den im Text genannten Firmen: