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Wärme aus dem Kachelofen

14.11.2017

In einer zunehmend technisierten und emotionskälteren Gesellschaft sehnt man sich nach ursprünglicher Wärme mit echten, natürlichen Farben und Materialien zum Anfassen. Kachelöfen mit hochwertiger handwerklicher Keramik im zeitgemäßen Design verbinden die ursprüngliche Wärme-Tradition eines Holzfeuers mit moderner, effizienter und umweltschonender Heiztechnik.

Kachelöfen Ofenkachel

Feuerroter Kachel-Quader: Die Farbgebung unterstützt hier noch optisch die wärmende Wirkung der Flammen. (Foto: epr/Kaufmann/Verband der Keramischen Industrie, ofenkachel.de)

Der Kachelofen hat eine lange Geschichte. Das Bild des traditionellen Schüsselkachelofens auf der Almhütte, das viele noch im Kopf haben, hat sich in den letzten Jahrzehnten jedoch völlig gewandelt. Innovative Heiztechnik präsentiert sich im Top-Design mit modernem Materialmix, bei dem Keramik-Oberflächen – auch kombiniert mit anderen Materialien – eine tragende Rolle spielen. Ofenkeramik gibt mit ihrer großen Gestaltungsvielfalt an Formen, Glasuren, Dekoren und Farben dem Feuer den richtigen Rahmen. Zudem lässt sie den direkten Kontakt zur milden langwelligen Strahlungswärme zu, beispielsweise durch eine wärmedurchströmte Sitz- oder Liegebank.

Die keramische Ummantelung verleiht dem Kachelofen sein individuelles Design und eine spürbar besondere Ausstrahlung. Als hervorragender Wärmespeicher gibt die Ofenkeramik über lange Zeit kontinuierlich ihre milde Wärme ab, die überwiegend aus langwelliger Infrarot-Strahlung besteht. Man spürt eine Tiefenwirkung, die einem wohltuenden Sonnenbad gleicht und den Körper angenehm erwärmt. Da die Strahlungswärme weitgehend ohne Luftbewegung wirkt, entsteht ein reizarmes, angenehmes Raumklima. Studien belegen die positive Wirkung auf Körper und Psyche des Menschen. Kachelofenbesitzer fühlen sich gesünder, zufriedener und erfolgreicher, da die langwellige Wärmestrahlung die Muskulatur entspannt, die Durchblutung fördert und belebend wirkt.

Kachelöfen Keramikplatten in Rostoptik

Riesige Keramikplatten in Rostoptik dienen hier als zusätzliche Wärme­speicher. Foto: AdK/kachelofenwelt.de

Ein Kachelofen wird vom Ofen- und Luftheizungsbauer mit viel handwerklichem Geschick und Erfahrung gesetzt. Die verwendete Ofenkeramik entsteht in Manufakturen in einem aufwendigen Prozess aus hochwertigen Naturmaterialien – traditionell Ton, Kaolin, Schamotte und Wasser. Die große Vielfalt an Kacheldesigns und Formen ermöglicht eine sehr individuelle Kachelofengestaltung für jeden Anspruch und jedes Wohninterieur. Vom traditionellen Landhauskachelofen bis zum Kachelofen im sachlichen Bauhaus-Stil mit puristisch gestalteter Kachelkeramik in großzügigen Formaten, ausgefallenen Formen und besonderen Oberflächen. 

Weil die Planung eines Kachelofens etwas ganz Persönliches ist, empfiehlt sich die Beratung eines Kachelofenbauers. Der Fachmann stimmt die Technik und das Ofendesign individuell auf die Wünsche und die räumlichen Bedingungen ab.

Die unterschiedliche Heiztechnik wird danach gewählt, was man von seinem Ofen erwartet. Will man Wärme für den ganzen Tag oder lieber schnelle Wärme?

 

Kachelofen: Kachelgrundofen 
oder Warmluftofen

Eine Möglichkeit ist der Grundofen. Er ist mit seinem dicken Kachelmantel in der Lage, Wärme bis zu 20 Stunden zu erzeugen und auch zu halten. Aber hier ist nichts mit schneller Wärme, denn der relativ träge Grundofen – die Aufheizzeit beträgt immerhin etwa zwei bis vier Stunden – kann nur über die Menge des verheizten Brennstoffes reguliert werden. Ein leichter Grundofen braucht mehrmals, ein schwerer dagegen nur einmal am Tag Brennstoff. 

Die Ofenwände speichern die Wärme und geben sie zeitverzögert als Strahlungs­wärme an den Raum ab. Außer Strahlungswärme erzeugt der Grundofen auch Konvektionswärme. Luft erwärmt sich an den großflächigen 
Kachelwänden und steigt nach oben, kühlere Luft nachziehend.

Kachelofen Wassertechnik Leda Kaufmann

Weniger wuchtig wirkt diese große Ofenanlage mit warmem Sitzplatz, weil sie sich mit ihren hellen Kacheln farblich bestens in die Umgebung einfügt. Foto: AdK/kachelofenwelt.de

Der Kollege des Grundofens, der Warmluftofen, erzeugt die Wärme – wie der Name schon sagt – über die Raumluft, die als unmittelbarer Wärmeträger genutzt wird. Je nach Ausführung 
variiert die Konvektionswärme von etwa 60 bis 70 Prozent Konvektion und 30 bis 40 Prozent Strahlungswärme.

Der Ofen besteht aus einem Gussheizeinsatz und einem Nachheizkasten aus Stahlblech oder Gusseisen, auch keramische Nachheizflächen werden eingesetzt. Diese erhöhen den Strahlungsanteil und die Dauer der Wärmeabgabe. Unter dem Ofen­sockel tritt Raumluft zwischen Heizeinsatz und Kachelwände, erwärmt sich an dem 
heißen Heizeinsatz und/oder am Nachheizkasten und steigt dann empor. Bei diesem 
Vorgang erwärmen sich auch die Kachelwände, die dann wiederum Strahlungswärme abgeben.

Warmluftkachelöfen können zwar Wärme nicht so gut speichern, sind dafür aber schnell warm. Außerdem lässt sich die Speicherfähigkeit steigern, wenn statt eines Nachheizkastens keramische Heizgaszüge eingebaut 
werden.

(aus der Zeitschrift Bauen & Renovieren 11/12-2017)