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Wann lohnt sich das Dämmen?

18.01.2017

Fassaendämmung. Foto: Industrieverband Polyurethan-Hartschaum

Dämmen lohnt sich: Bei diesem Haus kam auf die bereits bestehende fünf Zentimeter starke Fassadendämmung aus Polystyrol-Hartschaum zusätzlich noch eine zehn Zentimeter dicke Dämmschicht aus Polyurethan-Hartschaum. Der Wärmedurchgangskoeffizient der Außenwand ist dadurch um zwei Drittel gesunken. Foto: Industrieverband Polyurethan-Hartschaum

Wer zum Jahresbeginn gehofft hatte, dass die Energiepreise auf einem dauerhaft niedrigen Niveau bleiben, hat auf das falsche Pferd gesetzt. Stattdessen hat eine galoppierende Inflation eingesetzt. Kostete im Januar 2016 der Liter Heizöl im Schnitt 38 Cent, so ist der Preis für das schwarze Gold per Ende 2016 auf über 50 Cent je Liter gestiegen. Unter dem Strich ist das ein Anstieg um satte 29 Prozent innerhalb nur eines Jahres. Kein Wunder also, dass das Umweltbundesamt in einer Studie erneut Vorteile und Nutzen einer Wärmedämmung am Haus bestätigt hat. Die zentrale Aufgabe, die Emission von Treibhausgasen bis 2020 um mindestens 40 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu senken, wird nach Ansicht fast aller Experten vor allem mit energetischer Sanierung wie Wärmedämmung der Fassade zu erreichen sein. „Der schnellste und einfachste Weg, um das Klima zu schützen, ist Energiesparen. Nicht verbrauchte Energie verursacht keine Emissionen – und kostet, nach anfänglicher Investition, auch kein Geld“, bringen es die Autoren des Papiers auf den Punkt.

Mineralwolle. Foto: Fachverband Mineralwolleindustrie

Mineralwolle ist ein bewährter Dämmstoff für die Fassade. Bei einem Wärmedämm-Verbundsystem ist wichtig, dass alle Komponenten sorgfältig aufeinander abgestimmt sind und fachgerecht verarbeitet werden. Foto: Fachverband Mineralwolleindustrie

Heizung mit Warmwasser ist mit fast 80 Prozent Anteil am Endenergieverbrauch der größte Energiefresser im Haus. Das ist nicht nur teuer, sondern auch klimaschädlich. Denn die Heizungen in privaten Haushalten verursachen rund 60 Prozent des CO2-Ausstoßes. Für eine energetische Sanierung mit Fassadendämmung sprechen gleich mehrere Gründe: Mit einer guten Wärmedämmung und effizienter Heiztechnik lässt sich zum einen der Primärenergiebedarf eines Gebäudes um bis zu 90 Prozent senken. 

So werden Wärmeverluste durch die Gebäudehülle drastisch reduziert und damit die Heizkosten auf ein Minimum verringert. Gleichzeitig steigert ein besserer Wärmeschutz den Wert einer Immobilie und fördert ein angenehmes sowie gesundes Wohnklima.

Polyurethan. Foto: Industrieverband Polyurethan-Hartschaum

Leistungsstark: Dämmelemente aus Polyurethan-Hartschaum erzielen bei relativ geringen Dämmstoffdicken hohe Wärmedämmwerte an der Fassade. Foto: Industrieverband Polyurethan-Hartschaum

Das Umweltbundesamt verweist auf die zentrale Bedeutung guter Planung und Beratung. Hausbesitzer sollten sich also bereits bei Beginn ihrer Überlegungen zur energetischen Sanierung einen qualifizierten Energieberater einbeziehen. Innerhalb welches Zeitraums eine Wärmedämmung die aufgewendete Investition direkt wieder einspart, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend ist in erster Linie der Ausgangszustand des Gebäudes. Je schlechter sich dieser energetisch darstellt, desto schneller lohnen sich in der Regel die eingesetzten Mittel. Weitere Faktoren in der Berechnung seien laut Umweltbundesamt die künftige Entwicklung der Energiepreise, die fachgerechte Ausführung der Wärmedämmung und die Frage, ob die Verbesserung des Wärmeschutzes in ohnehin anstehende Sanierungsmaßnahmen integriert wird.

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Ganz egal, für welchen Dämmstoff sich Hausbesitzer auch entscheiden: Alle Materialien sparen in ihrem Lebenszyklus deutlich mehr Energie als ihre Herstellung benötigt. Anders gesagt: Der hohe Energieverbrauch eines nicht gedämmten Gebäudes belastet die Umwelt viel stärker als die Herstellung des Dämmstoffs. Die Autoren des Umweltbundesamtes nehmen in ihrer Abhandlung auch vielfach zitierte und wiederholte Vorurteile gegen die Wärmedämmung ins Visier.

Multipor-Dämmsystem. Foto: Xella

Das Multipor-Dämmsystem eignet sich ebenfalls für die Fassade. Die Dämmplatte besteht aus Kalk, Sand, Zement und Wasser. Foto: Xella

So vermeidet oder behebt gerade eine Wärmedämmung bauliche Mängel, die zu Schimmel führen können. Diese Mängel sind zum Beispiel alte, weil ungedämmte Außenwände, undichte Stellen oder Kältebrücken an Laibungen und Fenstersimsen. Viele Mängel sind, so die Feststellung der Autoren, auf Fehler in Planung und Ausführung zurückzuführen. Wichtig ist in jedem Fall eine ausreichende Lüftung, um die im Haus entstandene Feuchtigkeit durch Kochen,  Duschen sowie Atemluft ins Freie zu befördern. Gerade die Dämmung bietet für jedes Haus die Möglichkeit, seine Fassade nachdrücklich aufzuwerten oder optisch zu verbessern.

Viele Beispiele bestechen gerade bei einst tris-ten, glatten Betonfassaden durch anspruchsvolle architektonische Lösungen. Mit Formelementen, Zierprofilen, Lisenen und witterungsbeständigen Strukturputzen lassen sich selbst historische und klassizistische Fassaden detailgetreu gestalten und gleichzeitig das Wärmeschutzniveau verbessern. Als Bestätigung seiner bisherigen Argumentation sieht der „Qualitätsgedämmt e.V.“, der von führenden Unternehmen der Bauzulieferindustrie getragen wird, die neue Publikation des Umweltbundesamtes. „Hier sind die klaren Vorteile der Wärmedämmung eingängig und umfassend erläutert. Wir freuen uns, dass die zuletzt in der allgemeinen Diskussion etwas vernachlässigten Argumente pro Wärmedämmung wieder mehr in den Fokus gerückt werden“, sagt Lothar Bombös, Vorstandsvorsitzender der Initiative. „Im Konzert mit allen Maßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung spielt die Wärme- und speziell die Fassadendämmung eine wichtige Rolle.“ Und: Die Energiepreise steigen wieder.

(aus der Zeitschrift Althaus modernisieren 12/1-2017)




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