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Neue Verlegevarianten für Schiefer-Fassaden

06.02.2017

Schiefer. Foto: Rathscheck

Foto: Rathscheck

Mit dem Material Schiefer für Dach und Fassade verbindet man gerne einmal Begriffe wie Handwerkskunst, Baukultur oder Denkmalpflege. Zurecht! Doch zumindest bei Dachdeckern steht Schiefer dann schnell auch für Haltbarkeit, Solidität und Tradition. Man könnte nun fast 
resümieren, Schiefer sei nichts fürs private Einfamilienhaus? Doch weit gefehlt! Denn Schiefer bietet heute wesentlich mehr als reine traditionelle Baukultur. 

Das zurückhaltende, dunkle Gestein hat sich fast schon zu einem Trendwerkstoff entwickelt. Es lässt sich durch seine neutrale Farbgebung ästhetisch und zeitgemäß mit modernen Baustoffen wie Glas, Stahl aber auch Holz kombinieren und ist mit seinen bruchrauen Oberflächen überaus gefragt.

Schieferprodukte für Dach und Fassade – aber auch Fliesen, Küchenarbeitsplatten, Treppenstufen, Fensterbänke etc. – gehören heute auch schon zum trendigen Living Style. Und mit Schiefer eingedeckte Häuser und individuell gestaltetet Fassaden sind echte Hingucker und oftmals gar ungewöhnliche Unikate.

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Bleiben wir bei der Fassade. Welche Möglichkeiten bieten sich hier an und welche Wirkungen erzielt man mit welcher Verlegeart? Denn eines ist klar: Schieferelemente lassen sich auf die verschiedenste Art und Weise zur Gestaltung bringen. Und da ist so manches Spannende dabei. 

Solch neue Fassadenlösungen mit ihrer zeitgemäßen Formensprache überzeugen immer mehr. Architekten fühlen sich von den innovativen Mustern inspiriert und planen außergewöhnliche Bauprojekte. Und auch Bauherren folgen diesem Trend und entscheiden sich für Schiefer als modernes Fassaden-Gestaltungsmittel – sowohl im Neubau als auch bei der Sanierung.

Glänzend unterlegt

Schiefer: Unterlegte Deckung. Fotos: Rathscheck

Foto: Rathscheck

Diese Fassade sollte ihre felsige Heimat widerspiegeln und zugleich mit Eleganz verbinden. Es entstand die Idee einer Schieferfassade, die mit übergroßen spiegelnden Chromnickelstahlblechen gehalten wurde. Die 25 x 40 cm großen Schiefer sind so verlegt und mit den Blechen fixiert, dass die Chromnickelbleche waagerechte, senkrechte und diagonale Netzlinien bilden. Die Fassade wirkt wie ein Kleid mit Pailletten. Besonderheit: Die unterlegte Deckung entspricht mit ihrer Seiten- und Höhenüberdeckung von mindestens 4 Zentimeter auch den Dachdecker-Fachregeln.

Linear mit Kreuzfuge

Schiefer: Lineare Deckung. Foto: Rathscheck

Foto: Rathscheck

Gebäude Nummer 2 zeigt dann die sogenannte lineare Deckung. Auch sie entspricht den Fachregeln des ZVDH. Um eine geschlossene Deckung zu erreichen, sind hier – ähnlich einer Biber-Kronendeckung – zwei versetzte Reihen Schiefer auf einer Latte montiert. Besonderheit dieser Deckart ist ihr strenges Kreuzfugenraster. Exakt im Raster dieser Schieferfassade geplant, erhielt das Gebäude klare Linien.  

Variabel mit Kreuzfuge

Schiefer: Variable Deckung. Foto: Rathscheck

Foto: Rathscheck

Eine neue Deckart mit Kreuzfuge, aber viel preiswerter, ist die variable Rechteck-Deckung. Sie  basiert in ihrer Grundidee auf der waagerechten Deckung. Sie ist genauso sparsam konzipiert, unterscheidet sich von dieser aber vor allem durch den Vorschnitt (wie er auch von Hohlziegeln bekannt ist). Es entsteht ein ästhetisches, flächiges, geschlossenes Deckbild mit moderner Kreuzfuge. Ein Vorteil dieser einfachen Deckart ist, dass man die Schiefer sehr einfach vor Ort anpassen kann. Diese „variable“ Deckart ist damit ebenso für Neubauten wie für Sanierungen geeignet.

Dynamisch verlegt

Schiefer: Dynamische Deckung. Foto: Rathscheck

Foto: Rathscheck

Die aus rechteckigen Schiefern bestehende Deckung basiert auf waagerechten Steingebinden in verschiedenen Höhen und Längen. Die Deckung kennt keine sich wiederholenden Deckbilder, ist quasi wild gedeckt und wirkt dadurch lebhaft, edel und exklusiv. Heute ist die dynamische Deckung in der modernen Schieferarchitektur kaum noch wegzudenken. Neben imposanten Großbauten überzeugt sie auch problemlos an Kleinflächen. Giebel, Attiken, Schornsteine und Loggien lassen sich sehr ästhetisch lösen.

Symmetrisch geklammert

Schiefer: Symmetrische Deckung. Foto: Rathscheck

Foto: Rathscheck

Mit Steingrößen von 60 x 30 bis 60 x 60 Zentimeter und bruchrauen oder polierten Oberflächen steht eine Schieferfassadenlösung zur Verfügung, die mit einer Materialstärke von nur einem Zentimeter auskommt. Die symmetrische Deckung mit Kreuzfuge ist eine geklammerte, vorgehängte, hinterlüftete Natursteinfassade aus Schiefer. Die Platten werden nicht wie bisher üblich überdeckend verlegt, sondern mit offenen, etwa einen Zentimeter breiten Fugen auf einer Aluminiumunterkonstruktion mit Edelstahlhalterungen montiert. Mit dieser Deckart entstehen auch architektonisch anspruchsvolle Schiefermonolithen.

Mit Hinterschnitt

Schiefer: Hinterschnitt-Verlegung. Foto: Rathscheck

Foto: Rathscheck

So überzeugend die Idee der geklammerten symmetrischen Deckung ist, oft kommt der Wunsch auf, die Halterungen der Schieferplatten unsichtbar zu gestalten. Hier kommt die Hinterschnitttechnik zum Zug. Bemerkenswert ist hierbei, dass auch der Einsatz von besonders großen Platten bis zu einer Länge von 120 Zentimeter möglich ist. Je nach Geometrie und Ausrichtung der Platten entstehen Fassaden mit den unterschiedlichsten Anmutungen – beispielsweise horizontale wilde Verbände.

Ökonomisch horizontal

Schiefer: Horizontale Deckung. Foto: Rathscheck

Foto: Rathscheck

Mit der horizontalen Deckart ist eine ökonomische, geradlinige Deck-Variante  verbunden. Sie besteht aus rechteckigen Steinen, wird mit Spezialhaken im halben Verband verlegt und überdeckt nur in der Höhe um 45 Millimeter. Die kostengünstige Fassadenlösung benötigt dabei nur eine einfache Lattung und eignet sich gleichermaßen für den Neubau wie für die Sanierung.

(aus der Zeitschrift Bauen & Renovieren 1/2-2017)



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