Energieeffizienz mit Sonnenschutzsystemen
Die Kombination von innen- und außenliegendem Sonnenschutz kann die unterschiedlichen Energieströme am Fenster bestmöglich steuern und dadurch eben auch energieeffizient nutzen. Wir erklären die Zusammenhänge und Wirkweisen.
46 Prozent der Energie in Deutschland wird im Gebäude verbraucht. Für das Heizen und Kühlen wird mehr als die Hälfte davon genutzt. Und hier liegen die Chancen für eine bessere Energieeffizienz unter Einsatz von Sonnenschutzsystemen. Denn damit lässt sich Energie effektiv und nachgewiesen einsparen. Von den 46 Prozent des Energieverbrauchs im Gebäude sind 25 Prozent mit modernem Sonnenschutz einzusparen.
Energieeffizienz
Die Wirkweisen von Sonnenschutz im Winter
Im Winter wird die Wärmeenergie der einstrahlenden Sonne genutzt und gehalten. Dazu muss man wissen: Im Winter bringt die Sonne 60 Prozent mehr Energie auf die senkrechten Scheiben als im Sommer, da der Einstrahlwinkel nur zwischen 18 und 30 Grad liegt (gegenüber 60 Grad im Sommer).
Im Winter wird die Sonne also bei geöffnetem außenliegendem Sonnenschutz für den Energieeintrag genutzt, die Sonnenstrahlen unterstützen die Heizung. Der innenliegende Sonnenschutz wird als Blendschutz eingesetzt und macht die einfallende Sonnenenergie nutzbar.
Der innenliegende Sonnenschutz dient auch der höheren Behaglichkeit. Geschlossene Anlagen können die aus dem beheizten Raum kommenden Infrarotstrahlen reflektieren, während eine von innen her ungeschützte, weil kalte Fensterscheibe diese Infrarotstrahlung verhindert.
Einspar-Effekte auch in der Nacht
Nachts wird durch Schließen des äußeren Sonnenschutzes die Wärme besser im Raum gehalten. Bei Außenjalousien oder Rollläden sollte man dann auch möglichst helle Lamellen einsetzen. Beste Lösung also für die Winternacht: Die außenliegende Schutzanlage sowie die innenliegende Fensterdeko sind geschlossen, wodurch auf den beiden Scheibenseiten zwei stehende Luftschichten entstehen.
Denn bei Kälte wirken Fenster und Glasflächen teilweise wie Wärmebrücken. Stehende Luftpolster zwischen Fenster und dicht geschlossenem Sonnenschutz sorgen hier für eine Wärmedämmung. Das Luftpolster verhindert die Zirkulation der Luft und somit den Wärmetransport durch Konvektion. Dieses Prinzip funktioniert sowohl bei außenliegendem als auch bei innenliegendem Sonnenschutz.
Am deutlichsten ist dieser Effekt im Außenbereich beim Rollladen und im Innenbereich bei schienengeführten Rollos oder Verdunkelungsanlagen. Bei der Kombination von Rollladen und innenliegendem Sonnenschutz kann bis zu 10 Prozent der Heizenergie eingespart werden. Dies führt auch bei privaten Haushalten zu einer spürbaren finanziellen Entlastung.
Fazit: Ausschließlich die Kombination von innenliegendem und außenliegendem Sonnenschutz kann also diese unterschiedlichen Energieströme am Fenster steuern und energieeffizient nutzen.
Energieeinsparpotenzial und Produktvariante
In umfangreichen Tests des Fraunhofer-Instituts wurden die energetischen Einsparpotenziale ausgewählter Produktgruppen als zusätzlichen Wärmeschutz während der Nacht untersucht. Getestet wurden dabei Rollo, Plissee, Wabenplissee, Flächenvorhang und Vertikallamellen.
So konnte bei allen Produkten ein zusätzlicher Wärmedurchlasswiderstand erzielt werden – je nach Produkt zwischen 0,12 und 0,36 m2K/W.Der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) – ein Maß dafür, wie viel Wärmeenergie je Zeiteinheit durch einen Quadratmeter eines Bauteils hindurch geht – wurde deutlich verbessert. Je niedriger der U-Wert, desto besser die Wärmedämmung.
Beste Ergebnisse erzielte hierbei nun das Kammerplissee mit einer Reduzierung des U-Werts um 50 Prozent! Basis der Messung war eine Isolierverglasung mit dem Ug-Wert 2,8W/m2K: Reduktion des U-Werts also auf 1,4 W/m2K.
Über Simulationsrechnungen wurde dann ermittelt, dass bei einem Einfamilienhaus eine Verringerung des Jahresnutzwärmebedarfs um bis zu 7 Prozent möglich ist. Somit wurde bewiesen, dass der innenliegende Sonnenschutz, neben der Funktion des Blendschutzes und der Verringerung sommerlicher Überhitzungen, auch im Winter ein enormes Energieeinsparpotential besitzt.
Sonnenschutz im Sommer
Im Sommer können Räume ohne modernen Sonnenschutz schnell überhitzen. Sonnenstrahlen dringen durch die Scheiben und wandeln sich in Wärmeenergie. Die Luft heizt sich auf. So kann zum Beispiel eine Zeitspanne von 13 Tagen Sommersonne ohne Sonnenschutz bei einem Gebäude mit starker Südausrichtung eine Raumtemperatur von bis zu 42 Grad Celsius verursachen.
Mit innenliegendem Sonnenschutz werden durch hochreflektierende Oberflächen die Energiedurchlasswerte am Fenster um bis zu 22 Prozent verbessert, d.h. es dringen nur noch 60 Prozent der Sonnenwärme in den Raum ein (Basis DIN 4108 Glas G = 0,72, U = 1,6). Hiermit wird ein angenehmes Raumklima erzielt und eine Überhitzung verhindert.
Werden Räume aktiv über Klimaanlagen gekühlt, sind mit Hilfe von innenliegendem Sonnenschutz Energieeinsparungen in großem Umfang möglich, da die Klimaanlage gedrosselt werden kann. Untersuchungen zeigen, dass moderne Sonnenschutzsysteme den Kühlenergiebedarf bis zu 85 Prozent reduzieren können. Sonnenschutz im Sommer heißt also Raumabkühlung ohne Stromkosten.
Insgesamt ist durch modernen Sonnenschutz im Gebäude eine Energieeinsparung von bis zu 25 Prozent möglich. Und die ESCORP-EU25- Studie der Europäischen Sonnenschutz-Organistation belegt, dass durch das Energiesparpotential im Sommer und Winter der Energieverbrauch in Europa so stark gesenkt werden kann, dass sich 111 Millionen Tonnen CO2 einsparen ließen. Professor Hauser vom Fraunhofer-Institut resümiert deshalb: Wer etwas für das Weltklima tun möchte, installiere Sonnenschutz.
Der Wirkungsgrad von Rollläden und Sonnenschutzprodukten ist letztendlich aber auch vom Nutzerverhalten abghängig: Werden sie nicht immer rechtzeitig betätigt, sind Energieverluste nicht zu vermeiden. Ein optimaler Wirkungsgrad lässt sich mit Motor und automatischer Steuerung erreichen. Zeitschaltuhren oder Wettersensoren sorgen für optimierte Betätigungsabläufe. Und gerade auch innenliegende Anlagen lassen sich so steuern.


