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Fußbodenheizung oder Heizkörper?

25.01.2016

Nach einer heißen Dusche an einem kalten Winterabend ist es sehr angenehm, wenn man aus der Wanne kommend den warmen Fliesenboden betritt. Möglich macht dies eine Fußbodenheizung, die im Vergleich zu Heizkörpern über eine sehr große Wärmeübertragungsfläche verfügt. Damit für die Beine gesundheitliche Belastungen erst gar nicht entstehen können, wurde zum Beispiel die Fußbodenoberflächentemperatur für die Aufenthaltszone auf 29 Grad Celsius begrenzt.

Zum Betrieb einer Flächenheizung reichen Heizwasservorlauftemperaturen von 30 bis maximal 45 Grad aus. Deshalb lässt sich das Wärmeverteilsystem hervorragend mit energiesparenden Wärmeerzeugern, wie zum Beispiel Brennwertgeräten, Sonnenkollektoren und Wärmepumpen, kombinieren. Denn diese arbeiten umso effizienter, je niedriger die Heizwasservorlauftemperaturen sind. So steigt beispielsweise der Nutzungsgrad eines Gas­-Brennwertkessels um 5 bis 7 Prozent, wenn dieser mit einer Fußbodenheizung anstatt mit einem Radiatorheizsystem gekoppelt wird, welches häufig auf eine Vorlauftemperatur von 55 Grad ausgelegt ist. Zudem erlaubt das großflächige System, aufgrund seiner ausgeglicheneren Temperaturverteilung und seiner höheren Strahlungstemperatur, eine Absenkung der Lufttemperatur um bis zu 2 Grad ohne Behaglichkeitseinbuße. Daraus resultiert eine weitere Energieeinsparung um bis zu 12 Prozent.

Neben der Möglichkeit, Brennstoffkosten einzusparen, gibt es noch weitere Vorzüge im Vergleich zur Heizkörperheizung: Aufgrund des hohen Wärmestrahlungsanteils und der geringen Luftgeschwindigkeiten wird der Staubtransport bei Fußbodenheizsystemen stark vermindert. Deshalb können heizungsbedingte Staubnester gar nicht erst entstehen. Außerdem entziehen beheizte Fußböden die wichtigste Lebensgrundlage von Staubmilben und Bakterien: die Feuchtigkeit. Praktisch ist zudem, dass sich Hausbesitzer über Themen wie passender Montageort, Optik und hygienische Reinigung keine Gedanken machen müssen.

Eine klassische Warmwasser-Fußbodenheizung wird mit einem flüssigen Heizestrich abgedeckt, der gleichzeitig als Wärmespeicher, Lastverteilschicht und als Untergrund für den Bodenbelag dient. Deshalb spricht man auch von einem Nasssystem. Bei der Montage wird auf der Rohbetondecke zunächst eine Hartschaumschicht mit Abdeckfolie zur Wärme- und Trittschalldämmung aufgebracht. Dann erfolgen das Auslegen und Fixieren der Heizrohre. Dabei erleichtern spezielle Systemplatten, die es mit Haltenoppen, vorgefrästen Nuten oder Kletthaltefolie gibt, die Montage. Als Rohrwerkstoffe kommen in der Praxis vor allem sauerstoffdichte Kunststoffrohre sowie Verbundrohre und Kupferrohre mit unterschiedlichen Durchmessern zum Einsatz.

Anschließend erfolgt das Einbringen des Fließ- oder Zementestrichs mit anschließender Abbinde- und Aufheizzeit, die sehr genau einzuhalten sind. Je nach Estrichart kann dies insgesamt bis zu etwa 17 bis 28 Tage dauern. Erst wenn die sogenannte Belegreife erreicht ist, darf der Oberboden verlegt werden.

Kommt es auf jeden Höhenmillimeter an, werden spezielle Flach- oder Dünnschicht-Fußbodenheizungen mit sehr geringen Aufbauhöhen (ab etwa 15 Millimetern) eingesetzt. Diese lassen sich auch auf vorhandenen Böden installieren. Nach Abschluss der Montage wird eine schnell trocknende Spezial-Vergussmasse aufgebracht. Kermi

Wo es in der Renovierung auf jeden Millimeter bei der Fußbodenaufbauhöhe ankommt, sind Flach- oder Dünnschichtsysteme zu empfehlen. Sie punkten mit Aufbauhöhen ab zirka 15 Millimetern (inklusive Ausgleichsschicht) und mit einem geringen Gewicht. Sofern der vorhandene Boden geeignet ist und entsprechend vorbehandelt wurde, wird ein flaches Träger- oder Noppenelement ausgelegt und mit Heizrohren bestückt. Danach erfolgt die Verfüllung mit einer speziellen Ausgleichsmasse, deren Trocknungszeit oft nur einige Tage dauert. Ist vor allem eine kurze Bauzeit wichtig, sind Systeme mit Trockenestrichplatten erste Wahl.
Basiselement ist häufig eine Trägerplatte, die mit Aluminium-Wärmeleitlamellen zur Aufnahme der Heizrohre bestückt wird. Auf eine Abdeckfolie werden dann die Trockenestrichplatten schwimmend gelegt. Anschließend lässt sich der Bodenbelag quasi ohne Wartezeit aufbringen. Die Aufbauhöhen (ohne Belag) liegen mit zikra 30 bis 50 Millimetern deutlich unter denen von klassischen Nasssystemen. Und aufgrund ihres relativ geringen Flächengewichts ist die Konstruktion besonders für alte Beton- und Holzbalkendecken ohne hohe statische Belastbarkeit geeignet. Trockenbausysteme haben auch eine schnellere Reaktionszeit als konventionelle Nasslösungen, sind in der Regel aber teurer.

Falls kein weiterer Fußbodenaufbau möglich ist, kann eine nachträglich in den vorhandenen Estrich eingefräste Fußbodenheizung zum Problemlöser werden. Bei diesem Verfahren entfallen auch Anpassungsarbeiten bei Absätzen oder Türübergängen. Nach dem Entfernen des Oberbelags fräst ein Fachmann mit einer Spezialmaschine (mit Staubabsaugung) passende Kanäle in den glatten, ebenen Estrich. In diesen Nuten verlegt und fixiert er später die Heizrohre. Der Bodenbelag lässt sich entweder direkt oder nach dem Aufbringen einer dünnen Ausgleichsschicht mit kurzer Trocknungszeit aufbringen.

Alle gebräuchlichen Bodenbeläge lassen sich prinzipiell mit einer Fußbodenheizung kombinieren. Achten sollte man dennoch auf eine entsprechende Kennzeichnung durch den Hersteller – dies gilt insbesondere für textile Bodenbeläge, wegen ihres relativ hohen Wärmeleitwiderstands. Sehr gut einsetzbar sind insbesondere Platten aus Natur- oder Betonstein sowie keramische Fliesen, da sie die Wärme optimal leiten. Auch Holz und Parkett sind grundsätzlich geeignet, sofern die Materialstärke nicht zu dick ausfallen und weitere Randbedingungen eingehalten werden.

Ist das Flächenheizsystem mit einer Wärmepumpe gekoppelt, eröffnet sich noch eine weitere, interessante Option: An heißen Sommertagen zirkuliert kühles Wasser in den Rohrschlangen, welches Wärme aus den Räumen aufnimmt und abführt. Die Kühlleistung ist aus technischen Gründen limitiert, reicht aber aus, um die Wohnräume um ein paar Grad abzukühlen.

Basiselement der relativ flach aufgebauten Trockensysteme ist eine gedämmte Trägerplatte, die meist mit Aluminium-Wärmeleitlamellen zur Aufnahme der Heizrohre bestückt wird. Auf eine Abdeckfolie werden dann die Trockenestrichplatten gelegt, auf der dann quasi ohne Wartezeit der gewünschte Bodenbelag verlegt wird. Roth Werke

Althausbesitzer, für die der Sanierungs- und Kostenaufwand in Verbindung mit einer Fußbodenheizung zu hoch ist, können auch mit Heizkörpern energiesparend heizen. Als Mindestanforderung gilt die Empfehlung, eine maximale Vorlauftemperatur von 55 Grad Celsius nicht zu überschreiten. Optimal wäre ein Temperaturniveau im Bereich von 45 bis 50 Grad Celsius. Zum Vergleich: Standard war früher ein Wert zwischen 70 und 90 Grad Celsius. Deshalb  reicht die Größe der vorhandenen Heizkörper oft nicht aus, um mit einer (deutlich) niedrigeren Vorlauftemperatur die notwendige Heizleistung zu erbringen. Das bedeutet, dass
einzelne oder auch alle Wärmespender durch neue Modelle mit größerer Heizleistung ersetzt werden müssen. Übrigens: Mindern lässt sich dieser Effekt durch energetische Sanierungsmaßnahmen.

Ein Austausch von alten Radiatoren empfiehlt sich oft schon aus optischen Gründen, oder falls sie defekt sind oder rostige Stellen aufweisen. Die Hersteller bieten inzwischen eine Vielzahl von Designheizflächen an, die sich entweder unauffällig und harmonisch oder markant in unterschiedliche Wohnlandschaften einpassen lassen. Zudem sind sie oft pflegeleichter und energetisch optimiert. Darüber hinaus erleichtern spezielle Sanierungsmodelle die Montage an die vorhandenen Rohrleitungen. Auch in Verbindung mit einem Heizkörpersystem muss man auf eine Fußbodenheizung im Bad nicht verzichten. Es gibt die Möglichkeit, vom Badheizkörper ausgehend mittels einer Spezialarmatur eine Fußbodenheizung zu installieren. Auch umgekehrt ist es auf diese Weise machbar, einen Wandwärmespender zum Trocknen der Handtücher in ein Flächenheizsystem einzubinden. Alternativ gibt es rein elektrisch beheizte Heizkörpermodelle.

Der Einsatz eines Einzelraumregelsystems ist bei Flächen- und Heizkörperheizungen vom Gesetzgeber in der Energieeinsparverordnung vorgeschrieben. Doch auch unter Effizienz- und Komfortaspekten ist die Anschaffung sinnvoll. Deshalb werden vor allem die vollelektronischen, leicht nachrüstbaren Produkte mit Funkverbindung immer beliebter und preiswerter. Über ein Touchscreen-Display lassen sich bequem die Temperatur- und Heizzeiten für alle Räume einstellen und kontrollieren. Optional ist meist auch eine WLAN- und App-Anbindung möglich. Egal ob Heizkörper- oder Flächenheizung: Nur wenn die Systeme fachgerecht geplant, montiert, hydraulisch abgeglichen und richtig geregelt werden, bieten sie einen energieeffizienten Betrieb mit hohem Wärmekomfort für die Bewohner.

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Bildergalerie:

Grundsätzlich sind Fußbodenheizungen für alle Bodenbeläge geeignet – dies gilt auch für Holzdielen und Parkett, sofern einige Randbedingungen berücksichtigt werden. Uponor
Über eine spezielle Anschlussarmatur lässt sich im Badezimmer ein Handtuchwärmer an den Fußbodenheizkreis anschließen. Kermi
Der energiesparende Flachheizkörper „Therm-x2“ kommt mit niedrigen Heizwassertemperaturen aus und bietet eine kurze Aufheizzeit. Kermi
Die Heizwand „Nova Neo“ verfügt über einen Ventilator und einen Zusatz-Wärmetauscher und lässt sich deshalb mit Vorlauftemperaturen zwischen 30 und 45 Grad betreiben. Zehnder

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