Dämmen: Es rechnet sich!

 
"ThermoSklent W" ist ein Dämmelement für hinterlüftete Schieferfassaden. Rathscheck
Bis zum Jahr 2050 will die Bundesregierung einen klimaneutralen Gebäudebestand in Deutschland verwirklichen, um einen substanziellen Beitrag zur Begrenzung der globalen 
Erderwärmung zu leisten. Das Problem: Die Basis muss erfüllen, was die hohe Politik fordert. Die Eigentümer mehrerer Millionen Bestandsimmobilien sollen daher ihre Gebäude energetisch sanieren, damit der Verbrauch fossiler Brennstoffe sinkt. Denn noch immer verbrauchen Immobilien aus den 1960er- und 1970er-Jahren, die bisher nicht saniert wurden, zu viel Heizenergie. Heizölverbräuche von 15 Litern und mehr pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr sind bei diesen „Dinosauriern“ keine Seltenheit.

Wer diesen – nach heutigen Standards – exorbitant hohen Energieverbrauch senken will, kommt um eine energetische Sanierung nicht herum. Aber: Eine Fassadendämmung kostet viel Geld, weshalb sich betroffene Hausbesitzer fragen: Lohnt sich eine Fassadendämmung finanziell überhaupt, wann amortisiert sie sich eigentlich?

Die Frage ist, kritisch betrachtet, etwas „fragwürdig“. Denn niemand fragt sich bekanntlich: Wann rechnet sich mein schöner Garten oder mein luxuriös ausgestattetes Bad? Vermutlich amortisiert sich ein schöner Garten nie, die Fassadendämmung eines Hauses, das vor 40 Jahren gebaut wurde, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit in relativ kurzer Zeit.

Die Kosten einer Sanierungsmaßnahme über eine Reduzierung der Heizkosten können im Laufe der Zeit wieder eingespielt werden. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Studie, die das Forschungsinstitut für Wärmeschutz (FIW) in München unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Andreas H. Holm durchgeführt hat.

Die Rentabilität einer Sanierungsmaßnahme hängt von vielen Variablen ab, zum Beispiel vom Klima in der Wohnregion, dem Zustand der Bauteile, den Sanierungskosten, den Realzinsen, der Nutzungsdauer der Immobilie, dem Energiepreis und der Energiepreissteigerung. Alle diese Faktoren müssen in eine Wirtschaftlichkeitsberechnung einfließen und so genau wie möglich sein.

„Deutlich wird, dass vor allem der Realzins und die Energiepreissteigerung einen großen Einfluss auf die Amortisationszeit einer Investition besitzen“, so die Forscher.

Das FIW München hat bei seiner wahrscheinlichkeitsgestützten Berechnung die Unsicherheitsbereiche der verschiedenen Faktoren berücksichtigt. Im Rahmen eines umfangreichen Simulationsverfahrens haben die Wissenschaftler das obere und untere Ende von Amortisationszeiträumen ermittelt.

Konkretes Ergebnis

Bei Außenwänden von Häusern, die vor der ersten Wärmeschutzverordnung 1977 gebaut wurden, ergibt sich nach dem Anbringen eines Wärmedämm-Verbundsystems eine Amortisationszeit zwischen vier und zehn Jahren, und zwar mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent, so das Institut. Der Mittelwert liegt bei sechs Jahren.

Weiterhin gilt: Je jünger die Immobilie ist, desto länger dauert die Amortisation. Entscheiden sich Hausbesitzer für eine energetische Sanierung, sollten sie das Haus als Gesamtsystem betrachten, mit einem qualifizierten Fachmann die energetischen Schwachstellen analysieren und dann ein Sanierungskonzept entwickeln. Im Idealfall wird das Haus komplett gedämmt und die Haustechnik auf den neuesten Stand gebracht.

Ist dies finanziell nicht möglich, so bieten sich als Alternative einzelne Sanierungsschritte an. Aber: Eine Fassadendämmung lohnt sich vor allem dann, wenn ohnehin ein Gerüst für Dach- oder Fensterreparaturen aufgestellt werden muss. Und: Hausbesitzer sollten nicht darauf spekulieren, dass Zinsen und Ölpreise, zwei wichtige Variablen, welche die Amortisation beeinflussen, so niedrig bleiben. Diese Hoffnung könnte sich als teuer erweisen.

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