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Sanierung: Wer im Stahlhaus sitzt

09.11.2016

Althaus. Foto: Velux, Sigurd Steinprinz, privat

Foto: Velux, Sigurd Steinprinz, privat

Bei der Altbausanierung braucht es manchmal den Blick eines Profis, um zu erkennen, ob ein arg in die Jahre gekommenes Objekt das Zeug zum Schmuckstück zeitgemäßen Wohnkomforts hat.

Architektenfamilie Turck aus Düsseldorf wagte das Abenteuer Sanierung mit einem ganz besonderen Haus: Die vier erweckten mit dem MAN-Stahlhaus aus dem Jahr 1952 ein echtes Stück Nachkriegsgeschichte aus dem Dornröschenschlaf. Die Familie hatte Großes vor: Das Haus sollte nicht nur zeitgemäß gedämmt, hell und komfortabel werden, sondern auch um zusätzlichen Wohn- und Arbeitsraum erweitert werden. Zudem wollten Katrin und André Turck den einzigartigen Charakter des Hauses nicht nur aus Denkmalschutzgründen erhalten. Stahlhäuser von MAN wurden zwischen 1948 und 1953 im Werk in Ginsheim-Gustavsburg gefertigt. Ihre Fassaden und Tragkonstruktionen bestehen vollständig aus Stahl. Damals war für den Wiederaufbau Westdeutschlands schnell verfügbarer und bezahlbarer Wohnraum gefragt. In der Fabrik vorgefertigte raumhohe Stahlkassetten und -träger sollten diesen schnellen und massentauglichen Wohnraum liefern. Heute sind in ganz Deutschland nur noch rund 40 dieser besonderen Häuser erhalten.

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Althaus. Foto: Velux, Sigurd Steinprinz, privat

Gemütlich und behaglich: Mit Dielenboden, Kaminofen und breiten Durchgängen zwischen den Räumen wird das Erdgeschoss zum Mittelpunkt des Familienlebens. Sämtliche Innenwände sowie die damals üblichen Raumzuschnitte behielten die Turcks bewusst bei, weil alle Räume gut proportioniert waren. Foto: Velux, Sigurd Steinprinz, privat

Eines davon stand bereits seit über zwei Jahren leer und war in keinem besonders guten Zustand, als es die Architektenfamilie Turck 2013 in Düsseldorf entdeckte. Die vier beschlossen dennoch, daraus ein modernes Familiendomizil zu machen. Heute ist aus dem Altbau ein echtes Schmuckstück geworden. Auf 226 Quadratmetern Wohnraum hat sich die Familie ein helles, modernes Zuhause geschaffen, das dennoch der besonderen Historie der Immobilie Rechnung trägt: Dafür wurden beispielsweise die alten Dielenböden, Einbauschränke, Türen und Holztreppen erhalten und sorgfältig aufgearbeitet. Auch alle Innenwände und die bauzeittypischen Raumzuschnitte behielt Familie Turck bei. „Die Räume sind zwar teilweise klein geschnitten, aber dafür gut proportioniert“, erläutert Katrin Turck. Doch nicht alle Teile des Hauses konnten erhalten werden.

Althaus. Foto: Velux, Sigurd Steinprinz, privat

Alt trifft auf modernen Wohnkomfort: Im Erdgeschoss herrscht lichte Offenheit. Die Küche im sogenannten Frankfurter Stil sowie Dielen und Einbauschränke hat die Architektenfamilie aufgearbeitet und erhalten. Problem im Erdgeschoss war, dass die Bauherrschaft wegen der denkmalschutzrechtlichen Vorgaben keine zusätzlichen Fenster in die historische Stahlfassade einbauen durfte. Foto: Velux, Sigurd Steinprinz, privat 

So musste am namensgebenden Charakteristikum der Immobilie, der stählernen Hülle, viel erneuert werden. Weil die mit Glaswollematten umgesetzte Dämmung von heutigen Standards weit entfernt war, wurden die Wände komplett neu aufgebaut. Nur die äußerste Stahlschicht und die Tragkonstruktion blieben erhalten. Heute hat das Haus eine hinterlüftete Fassade und ist zellulosegedämmt. In den neuen Wänden verlaufen auch die Schleifen der Wandheizung, die nach innen mit drei Zentimetern Lehm verputzt sind. Erneuert wurden auch alle Fenster in der Fassade, die mit einer zeitgemäßen Dreifach-Verglasung ausgestattet wurden. Unverändert blieben die Fenstermaße – die standen schon aufgrund des Denkmalschutzes nie zur Disposition. Ein Mehr an Tageslicht konnte nicht über die Fassade erreicht werden. Dem Dach der Immobilie kam deshalb eine tragende Rolle für den Erfolg der Altbausanierung zu. Da das Haus unter Denkmalschutz steht, dürfen an seiner besonderen Fassade keine weiteren Öffnungen entstehen. „Die einzige Möglichkeit, beispielsweise zusätzliches Tageslicht einzulassen, war das Dach“, fasst Katrin Turck zusammen.

Schlafzimmer. Foto: Velux, Sigurd Steinprinz, privat

Das neue Elternschlafzimmer entstand unter dem Dach. Die Dachfenster von Velux lassen viel Tageslicht in den Raum. Foto: Velux, Sigurd Steinprinz, privat

Insgesamt neun Dachfenster öffnen das Dach heute nach oben. Weil sie unterschiedliche Aufgaben haben, setzte die Familie unterschiedliche Modelle ein: Sieben Klapp-Schwing-Fenster von Velux sorgen im Eltern- und in den Kinderzimmern für Tageslicht und die Möglichkeit zum Querlüften, also dem Erzeugen eines Luftaustausches durch das Öffnen mehrerer Fenster auf einer Ebene, aber unterschiedlichen Seiten des Hauses. Im Treppenhaus wurde ein Elektrofenster verbaut, das sich über das „Integra Control Pad“ bedienen lässt. So können die  Hausbesitzer den Kamineffekt voll ausnutzen: Öffnen die Bewohner also nach einem warmen Sommertag im Erdgeschoss ein Fenster und ein zweites im oberen Stockwerk, steigt die warme, verbrauchte Luft nach oben und zieht durch das obere Fenster ab; von unten strömt kühlere, frische Luft nach.

 Althaus Anbau. Foto: Velux, Sigurd Steinprinz, privat

Im Anbau findet das Architekturbüro der Familie seinen Platz. Von dort fällt der Blick in den Garten des großen Grundstücks. Auf dem Dach des Anbaus befindet sich eine Sonnenterrasse. Foto: Velux, Sigurd Steinprinz, privat

Weiterer wichtiger Teil der Sanierung sind die Rollläden im Dachbereich: Um auch im Hochsommer das Dachgeschoss optimal nutzen zu können, entschied sich die Familie bewusst für diesen sehr effektiven Hitzeschutz mit einer Hitze-reduktion von bis zu 92 Prozent, bezogen auf die Wärmeeinstrahlung durch das Dachfenster. Im Winter profitieren die Turcks von solaren Wärmegewinnen durch die zahlreichen Fenster und der verbesserten Dämmung der Dachfenster durch die Rollläden. Als praktisch erwies sich, dass die solarbetriebenen Modelle keine Kabelverlegung erforderten. Gesteuert werden die Rollläden – ebenso wie das Elektrofenster im Treppenhaus – über das Control-Pad, mit dem sich unterschiedliche Licht-, Hitzeschutz- und Lüftungsszenarien automatisch umsetzen lassen.

(aus der Zeitschrift Althaus modernisieren 10/11-2016)

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