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Altes Bauernhaus wird zum stylischen Domizil

08.03.2017

Unterschiedliche Zutaten ergeben ein stimmiges Ganzes. Das Vordach aus Akazienstämmen, Schilf und Glas ist Ibiza-inspiriert.

Der rührige Bauherr ist Geschäftsführer einer erfolgreichen Event-Agentur. Doch seine Kreativität sucht sich auch andere Betätigungsfelder: etwa das Transformieren eines alten Bauernhauses zum höchst individuellen Domizil für seine fünfköpfige Familie. Auf der Suche nach einem passenden Objekt hatte er über die Jahre schon viele Immobilien besichtigt. Und fand sie alle entweder zu teuer, zu einheitlich durchdesignt oder einfach nicht spannend genug. Sein Vater gab ihm dann den entscheidenden Tipp: In dessen Nachbarschaft stand ein einfacher Serienhof, Baujahr 1926, zum Verkauf, mit großem Grundstück.

Die Krux: Ein Investor hatte eigentlich schon den Zuschlag, wollte den Hof abreißen und dort drei Einfamilienhäuser bauen. Dennoch ließ sich ein Begehungstermin mit der Besitzerin ausmachen. „Schon beim Reinlaufen war ich extrem emotionalisiert“, erinnert sich der Bauherr, „das ist mein Haus, das ist mein Garten, dachte ich!“ Der Deal kam schließlich zustande, die Dame entschied sich für den Familienvater. „Und als sie uns ein paar Jahre später besuchte, fand sie das Ergebnis echt klasse!“

Als gestalterische Leitlinie gab der Bauherr einen Mix aus alten, gemütlichen mit modernen, innovativen Elementen vor. Jedes Zimmer sollte sich vom Stil her anders präsentieren. Brüche waren bewusst gewünscht, sollten aber mit dem Gesamtkonzept harmonieren. Die Räume sollten dabei offen, aber nicht zu groß angelegt werden, und im Zusammenklang über die verschiedenen Ebenen eine Zonierung ergeben.

Die Gaube mit dem neun Meter langen Fenster bleibt in der Formensprache. Rund ums Haus gibt es diverse Sitzmöglichkeiten.

Formal war ein steter Wechsel von geometrischen und organischen Formen gewünscht, ablesbar etwa an den rund gefassten Beeten des Vorgartens und den trotz Vollwärmeschutz gesofteten Ecken des Haupthauses, die mit dem Kubischen des Garagenanbaus kontrastieren. Großes Thema war auch das Zusammenspiel von Feuer und Wasser. Zum Einsatz sollten unterschiedlichste Materialien mit warmer Anmutung kommen (also kein Granit!), vorzugsweise natürlichen Ursprungs, und gerne recycelt. So sichtete er intensiv, was sich Wiederverwertbares auf dem Anwesen fand, und suchte parallel, zum Beispiel auf Recyclinghöfen, nach weiteren geeigneten Stücken.

Beraten ließ sich der Werbemann von drei Architekten aus seinem Bekanntenkreis: von Elmar Gauggel (Stuttgart), Dominik Burkard (Zimmern ob Rottweil) und Alfons Bürk (Rottweil). Letzterer steuerte auch eine in dessen Garten gefällte Birke bei, die prompt als statisches Element fürs Abfangen einer Hausecke integriert wurde. Auf die finale Frage, ob das komplexe Projekt nun abgeschlossen sei, antwortet der Bauherr lachend: „Nein, denn ich habe laufend neue Ideen. So wird sich das Haus – wie wir auch – ständig weiter wandeln!“ Fotos und Text: www.journalfoto.de (Bernhard Müller)
(aus der Zeitschrift Althaus modernisieren 12/1-2017)

Daten & Fakten

Baujahr:1926
Umbau: permanent
Wohnfläche: 380 qm
Bauweise:
Bestand: Fachwerk; Ergänzungen in Betonbauweise
Verkleidungen: Corten-Stahl; Fassaden und Dachdämmung mit Naturmaterialien; Holzfenster; intensiver Einsatz vonrecycelten Materialien
Heizung: Gas-Brennwerttherme, Warmwasserbereitung solar unterstützt, Stückholzofen, Gaskamin, Fußbodenheizung

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So sah der Serienhof vor dem Umbau aus.
Sorgt bei Passanten immer wieder für positiven Gesprächsstoff: Die etwas andere Einfassung eines Grundstücks.
Der kubische Anbau aus Beton und Corten-Stahl ergänzt und fasst gemeinsam mit der in gleicher Materialität gestalteten Garage das Gebäude von der  Seite her. Das runde Giebelfenster setzt den formalen Kontrapunkt.
Die Fusion von Alt und Modern funktioniert auch im Wohnzimmer. Die Balken stammen aus der Scheune,  der Dielenboden aus einer alten Apotheke. Markantes Statement: der selbstbewusst proportionierte Heizkamin.
Auf dem  Birkenstamm „ruht“ ein Eck des Haupthauses.
Vor allem in den langen Wintermonaten hält sich die Familie hier gerne stundenlang auf: Der Sauna- und Wellnessbereich schließt sich an das Bad an. Die frei stehende Wanne aus dem Axor-Programm von  Hansgrohe war ein besonderer Wunsch.
Hinter der organisch geschwungenen Wandscheibe mit dem floralen Mosaikmuster sind Dusche und Toilette angeordnet. In den ungarischen Holztisch arbeitete ein Schreiner zwei Waschbecken ein. Der schieferverkleidete Gaskamin fungiert auch als Raumteiler.
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