Lohnt sich eine neue Heizung?

Heizung
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Die Kosten für Heizung und Warmwasser sind der größte Kostenblock beim Energieverbrauch im Eigenheim. Nicht verwunderlich, denn etwa 83 Prozent der Haushaltsenergie entfallen auf das Heizen und die Bereitstellung von Warmwasser. Häufig verursacht jedoch ein altersschwacher Heizkessel eine zu hohe Heizkostenrechnung. Doch die meisten Althausbesitzer wissen nicht, wie effizient ihr Wärmerzeuger wirklich arbeitet. Viele verlassen sich bei der Beurteilung irrtümlich auf den Schornsteinfeger, der die Heizung in regelmäßigen Abständen prüft.

Schlechte Kessel-Effizienz trotz guter Messwerte

Allerdings kontrolliert der Schornsteinfeger nur, ob die Anlage die gesetzlichen Grenzwerte der Bundesimmissionsschutz-Verordnung (1. BImSchV) bei der Verbrennung von Öl oder Gas unter Volllast einhält. Wenn diesnicht der Fall ist, muss die Feuerstätte entweder repariert oder erneuert werden. Darüber hinaus sind die einzelnen Messwerte, wie der Abgasverlust, lediglich Indizien für die Kesseleffizienz. Denn die entscheidenden Wärmelecks von über 20, 25 oder gar 30 Jahren alten Kesseln misst und beurteilt der Schornsteinfeger standardmäßig nicht.

Dazu gehören die Wärmeverluste über die Kesseloberfläche an den Raum (Oberflächenverluste), Wärmeverluste durch (konstant) hohe Heizwassertemperaturen (Bereitschaftsverluste) sowie Verlust durch einstufige Brenner und leistungsmäßig zu groß ausgelegte Wärmeerzeuger. Problematisch ist, dass sich die Schwachstellen gegenseitig verstärken. So ist zum Beispiel bei Altanlagen die Auslastung oft deshalb sehr niedrig, weil die Kessel-Wärmeleistungen bis zum Dreifachen überdimensioniert sind.

Zwischenfazit: Trotz guter Werte im Messprotokoll des Schornsteinfegers kann das bestehende Heizsystem um bis zu 30 Prozent mehr Energie verbrauchen als ein neues. Denn moderne Wärmeerzeuger erzeugen in Abhängigkeit von der Außentemperatur nur so viel Wärme, wie für eine behagliche Raumtemperatur notwendig ist. Der beispielsweise hohe Wirkungsgrad von 98 Prozent bei Brennwertkesseln resultiert aus der gleitenden Betriebsweise, den damit verbundenen niedrigen Bereitschaftsverlusten und der Wärme, die den Abgasen durch Kondensation entzogen wird. Aufgrund ihrer kompakten und gut gedämmten Oberflächen geben sie fast keine Wärme in den Aufstellraum ab. Im Gegensatz dazu wirken ineffiziente Altanlagen oft wie Heizkörper, die den Heizraum im UG sogar an kalten Wintertagen auf 20 Grad erwärmen. Und sogar im Sommer ist er oft im Standby-Betrieb wegen der Warmwasserbereitung.

83 Prozent der Haushaltsenergie entfallen auf Raumheizung und Warmwasser. Hier liegt somit das größte Kosten-Sparpotenzial in Altbauten. www.solarwirtschaft.de

Energielecks und Schwachstellen systematisch ermitteln

Doch wie lassen sich nun die energetische Effizienz und das Einsparpotenzial einer bestehenden Heizungsanlage ermitteln? Zur ersten Abschätzung kann der interessierte Hausbesitzer frei verfügbare Tools im Internet nutzen (mehr dazu lesen Sie ab Seite 13). Zu einem genaueren Zustandsbild verhilft der sogenannte „Heizungs-Check“, welcher nicht nur die energetischen Schwachstellen des Kessels, sondern des gesamten Heizsystems aufdeckt: von der Wärmeerzeugung, über die Wärmeverteilung bis hin zur Wärmeübergabe im Raum.

Bei diesem schnellen, kostengünstigen und aussagekräftigen Verfahren analysiert ein qualifizierter Heizungsfachhandwerker die einzelnen Anlagenkomponenten mittels Messungen und Sichtprüfungen. Die jeweilige energetische Qualität der Komponenten bewertet er dann im Rahmen eines Punktesystems. Auf dieser Basis kann der Fachmann dann konkrete Empfehlungen mit Kostenschätzungen für Modernisierungs- oder Optimierungsmaßnahmen geben. Die Kosten des normierten „Heizungs-Checks“ liegen durchschnittlich bei etwa 100 Euro.

Hausbesitzer können sich darüber hinaus auch von einem freien, unabhängigen Energieberater oder von einem Energieberater der Verbraucherzentrale beraten lassen. Letzterer führt im Rahmen des sogenannten „Gebäude-Checks“ nicht nur eine energetische Bestandsaufnahme des Heizsystems durch, sondern nimmt zusätzlich die Gebäudehülle sowie die Stromgeräte in der Wohnung unter die Lupe. Die Auswertung kommt per Post in Form eines Kurzberichts mit den Check-Ergebnissen und den Handlungsempfehlungen für die nächsten Schritte. Der Kostenanteil des Hausbesitzers für den (vom BMWi geförderten) „Gebäude-Checks“ beträgt nur 20 Euro.

Wer seinen Kessel-Oldie ersetzt, profitiert mehrfach

Wenn das mögliche Einsparpotenzial im Fall einer Modernisierung vorliegt, interessiert die meisten Hausbesitzer brennend, in welchem Zeitraum sich die Neuanschaffung amortisieren würde. Liegen die Zeiträume bei 10 bis 15 Jahren, verfolgen schon sehr viele das Vorhaben nicht weiter. Sie übersehen dabei, dass es jenseits dieser Art von Wirtschaftlichkeit noch viele weitere Gründe gibt, die für den Austausch eines alten, aber noch funktionstüchtigen Wärmeerzeugers gibt. Handlungsbedarf ist zum Beispiel gegeben, wenn am Kessel Rost oder Lecks sichtbar sind. Oder wenn sich die Störungen, Ausfälle und Reparaturen häufen, was meist mit Kosten und weiteren Unannehmlichkeiten verbunden ist, wie Wartezeiten auf Kundendienst und Ersatzteile, kalte Räume und kein Warmwasser. Ein fachgerecht installierter neuer Wärmeerzeuger arbeitet nicht nur zuverlässig, sondern bietet im Rahmen von Gewährleistung und Herstellergarantie (von bis zu fünf Jahren) einen gewissen Kostenschutz.

Zudem bietet die aktuelle Generation von intelligenten Heizungsreglern einen großen Funktionsumfang und optimiert zum Teil selbsttätig die Einstellungen. Gleichzeitig ist die Bedienung durch den Nutzer einfacher und selbsterklärender geworden.

Bei einem sehr alten und eventuell etwas defekten Kessel weiß der Hausbesitzer nie, wann er komplett ausfällt. Im schlimmsten Fall geschieht die Katastrophe mitten in der Heizperiode an einem Wochenende oder, noch schlimmer, während der Weihnachtszeit. Dann muss alles sehr schnell gehen: Es bleibt dann keine Zeit über einen Energieträgerwechsel und über die Einbindung erneuerbarer Energien nachzudenken oder sich in Ruhe ein passendes Heizgerät auszusuchen.

Noch schlimmer ist, dass der Hausbesitzer derart unter Druck steht, dass er weder von mehreren Heizungsbetrieben Angebote einholen und vergleichen noch vernünftig über den Preis verhandeln kann. Unterm Strich ist das Risiko extrem hoch, dass Heizungsmodernisierer in so einer Situation mehrere Hundert oder sogar mehrere Tausend Euro draufzahlen. Denn die Auftragslage der meisten Betriebe ist vor allem während der Heizperiode so gut, dass sie auskömmlich kalkulieren (können).

Langfrist-Preisentwicklung von Heizöl, Erdgas und Pellets in Deutschland. Tendenz beim Heizöl seit etwa 2007: sehr große Schwankungsbreite in relativ kurzen Perioden. www.energieagentur.nrw.de

Auch der Wohnkomfort und der Wert der Immobilie steigen

Ein neues und optimiertes Heizsystem bietet aber noch weitere Vorteile: Die höhere Effizienz führt nicht nur zu einem geringeren Energieverbrauch und reduzierten Heizkosten, sondern trägt auch zum Umweltschutz bei: durch die geringeren Emissionen von CO2 und anderen Luftschadstoffen. Zusätzliches Einsparpotenzial bietet die Einbindung von regenerativen Energiequellen wie Solarthermie oder wasserführenden Holz-/Pellet-Öfen, die im Wohnraum stehen.

Auch bislang störende Komfortmängel, wie Leitungsgeräusche und ungleichmäßig warme Räume entfallen. Neue, moderne Heizkörper und Thermostatventile sorgen für eine optische Aufwertung der Räume und für einen erhöhten Wärmekomfort.

Ob sich der Aufwand für eine Heizungsmodernisierung „lohnt“, muss letztlich jeder Altkesselbesitzer anhand der individuellen sachlichen, finanziellen, ökologischen und emotionalen Faktoren für sich abwägen. Die Bandbreite der modernen Heiztechnikprodukte ist so groß, preislich so gut gestaffelt und technisch so ausgereift, dass diesbezüglich kein Modernisierer zögern muss. Mit Blick auf die späteren, realen Energiekosten entscheidend ist zudem, dass der Wärmeerzeuger zum Gebäude und zum Wärmeverteilsystem sowie zu den Komfort-Vorstellungen und den Nutzungsgewohnheiten seiner Bewohner passt.

Grundsätzlich gilt: Wer auf ein (sehr) gut gedämmtes Haus sowie auf ein modernes, effizientes, richtig einreguliertes und intelligent geregeltes Heizsystem setzt, kann stark schwankenden oder eventuell dauerhaft steigenden Energiepreisen gelassener entgegensehen. Und in einer Zeit, wo das Geld auf dem Tagesgeldkonto fast keine Zinsen mehr bringt, entwickelt sich die neue, energiesparende Heizung zum attraktiven Renditeobjekt, welches den Wert der Gesamtimmobilie steigert und außerdem noch zum Umweltschutz beiträgt.

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