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Smarthome für Menschen mit Handicap

22.06.2015

Mit dem Elektrostuhl B500 von Ottobock und einem speziell vom Fraunhofer-Institut IOSB-Ast entwickelten Bluetooth-Modul können tägliche Routineaufgaben bequem per Smartphone-App oder Kinnsteuerung direkt aus dem Rollstuhl heraus ausgeführt werden. Basis ist die Vernetzungslösung von digitalstrom.

Die Ende April 2015 veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes sprechen eine eindeutige Sprache. Die Alterung der Bevölkerung in Deutschland wird unaufhaltsam weitergehen. Die geburtenstarken Jahrgänge kommen in die Jahre. Die Zahl der Hochbetagten steigt. „Im Jahr 2013 lebten 4,4 Millionen 80-Jährige und Ältere in Deutschland, dies entsprach 5 Prozent der Bevölkerung. Ihre Zahl wird bis 2030 um gut 40 Prozent wachsen und 2060 mit insgesamt 9 Millionen etwa doppelt so hoch sein wie heute“, so das Bundesamt.

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Sollen diese Menschen alle im Senioren- oder Pflegeheim ihren Lebensabend verbringen? Das ist weder volkswirtschaftlich noch sozial-familiär wünschenswert. Ganz abgesehen von der Altersstruktur der Bevölkerung ist ein barrierefreies Wohnumfeld für alle Altersgruppen nützlich und komfortabel. Auch junge Menschen können als Folge eines Unfalls oder einer Krankheit in ihrer Entfaltung eingeschränkt sein. Anne-Caroline Erbstößer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Technologiestiftung Berlin, plädiert daher dafür, die Sichtweise auf das Thema barrierefrei zu ändern. „Ein altersgerechtes Produkt, wie zum Beispiel der Hausnotruf, ist für mobilitätseingeschränkte Personen jeden Alters sinnvoll. Ein ,altersgerechtes‘ Haus ist also barrierefrei und auch für Familien mit Kleinkindern und Kinderwägen sinnvoll.“

Wie aber lässt es sich erreichen, dass möglichst viele Menschen möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können?

Beispiel für eine erweiterte Lösung: Es handelt sich um ein sensorbasiertes Assistenzsystem, das die häusliche Umgebung überwacht. Erkennt die zugrunde gelegte Software ungewöhnliche Aktivitäten, wird eine Notfallkette ausgelöst. Weitere Anwendungsfälle sind die Fernüberwachung des Hauses oder die Benachrichtigung im Notfall, zum Beispiel bei einem Brand.

Bauliche Maßnahmen

Als erstes können bauliche Maßnahmen dafür sorgen, dass die eigenen vier Wände auch bei Behinderung oder im hohen Alter komfortabel bewohnbar bleiben. Ein stufenloser Hauszugang (Rampe) und überbreite Türöffnungen, damit Rollator oder Rollstuhl ohne Probleme durchpassen, helfen da schon weiter. Darüber hinaus müssen auch Küche und Bad so gestaltet werden, dass sie ihre Funktion für den Bewohner erfüllen können (etwa eine schwellenlose Dusche). Bei mehr als einer Wohnebene muss die Installation eines Treppenlifts oder sogar eines Aufzugs in Erwägung gezogen werden. Zu diesen Maßnahmen sollten moderne elektronische Hilfsmittel hinzukommen.

Smarte Technik für Menschen mit Handicap

Intelligente Haustechnik mit automatischen Abläufen wird immer selbstverständlicher. Auch hier gilt: Diese Systeme sind komfortabel und sinnvoll für alle Altersstufen. Dank nutzerfreundlicher Bedienoberflächen, auch per Smartphone und Tabletcomputer, kommen sowohl Kinder als auch Senioren mit der Anwendung zurecht.

Schon Einzellösungen wie motorisierte Rollläden, die per Fernbedienung oder Zeitschaltuhr gesteuert werden können, stellen eine erhebliche Entlastung im Alltag dar. Noch besser sind vernetzte Lösungen, in die mehrere Funktionen eingebunden sind. Eine zentrale Programmieru

ng und Steuerung ist dann neben den Rollläden auch für Heizung, Licht oder elektronische Geräte möglich. Sogar die Rauchmelder können in das System eingebunden und untereinander vernetzt sein. Vorteil: im Notfall schlagen alle Geräte gleichzeitig Alarm – was zum Beispiel bei Hörproblemen lebenswichtig ist.

Gerade für die Vermeidung von Stürzen sollte die Bedeutung der automatischen Lichtsteuerung nicht unterschätzt werden. Bewegungs- oder Präsenzmelder reagieren sofort und sorgen für Helligkeit beim ersten Schritt, das erspart das Suchen von Lichtschaltern. Bei Abwesenheit oder ausreichendem Tageslicht schalten sich die Lampen automatisch aus. Das ist praktisch und spart gleichzeitig Strom.

Auch eine Türsprechanlage mit Videokamera ist eine hilfreiche Einrichtung. Der Bewohner muss nicht in einen Hörer sprechen und hat sofort einen Überblick, wer vor der Tür steht

Video-Türsprechanlagen erleichtern den Alltag erheblich: Man muss sich nicht zur Haustür begeben, um zu sehen, wer Einlass begehrt. Foto: www.elektro-plus.com/www.gira.de

Verbindung zur Außenwelt

Je nach körperlicher und seelischer Verfassung der Bewohner kann die intelligente Ausstattung des Hauses durch Hilfe von außen ergänzt werden, wie Expertin Erbstößer betont: „Technische Assistenzsysteme dienen dazu, einem eingeschränkten Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Darunter fallen sowohl Produkte als auch Dienstleistungen, die in der Wohnung oder auch im Freizeit-, Mobilitäts- oder Versorgungsbereich zum Einsatz kommen können.“

Auch bei bester häuslicher Ausstattung ist eine gebrechliche Person nicht immer in der Lage, sich selbst zu helfen. Dann ist es gut, wenn eine Außenstelle per Knopfdruck um Hilfe gebeten werden kann. Und selbst wenn die betroffene Person nicht in der Lage ist, einen Hilferuf abzusenden, besteht die Möglichkeit, größeren Schaden zu verhindern. So können beispielsweise Sensoren im Fußboden den Sturz einer Person erfassen und ein entsprechendes Warnsignal aussenden.

Durch die Vernetzung mit Außenstellen, etwa mit Verwandten, Freunden oder einem Pflegedienst, ist gewährleistet, dass auch in so einem Notfall Hilfemaßnahmen eingeleitet werden können.