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Das passende Smarthome

28.01.2019

Licht, Heizung und Musik via Smartphone und Sprache steuern, den Energieverbrauch kontrollieren und verringern. Oder die eigenen vier Wände mit intelligenten Sensoren und Aktoren sicherer, altersgerechter und bequemer gestalten. Das Themenfeld Smarthome ist sehr vielfältig. Unser Beitrag bietet eine Einstiegshilfe für interessierte Althausbesitzer.

Smarthome als Grafik. Foto: ihaus
Das Smarthome umfasst eine Vielzahl von Aufgaben, Systemen, Komponenten und Services: von der Haustechnik und dem Energiemanagement über die Verschattung bis hin zur Unterhaltungselektronik und intelligenten Haushaltsgeräten. Foto: iHaus

Smarthome ist ein derzeit gerne genutztes Modewort. Was steckt dahinter? Eine – von Branchenprofis – oft genutzte Definition bietet Wikipedia: „Smarthome dient als Oberbegriff für technische Verfahren und Systeme in Wohnräumen und -häusern, in deren Mittelpunkt eine Erhöhung von Wohn- und Lebensqualität, Sicherheit und effizienter Energienutzung auf Basis vernetzter und fernsteuerbarer Geräte und Installationen sowie automatisierbarer Abläufe steht.“

Was gehört zum Smarthome

Das Smarthome umfasst eine Vielzahl von Aufgaben, Systemen, Komponenten und Services. Dazu gehören:

  • Energiemanagement und Energieeffizienz wie Heizung und Elektro
  • gesundes Wohnen wie Wohnungs- und Fensterlüftung
  • Kommunikation
  • Unterhaltungselektronik
  • Beleuchtung
  • Verschattung und Sichtschutz
  • Sicherheit und Zugangskontrolle wie Eingangstür-Kommunikation, Alarmanlage, Leckage-/Rauch-Melder und Notfallsysteme
  • Haus- und Haushaltsgeräte
  • Gartengeräte wie Mähroboter und Bewässerung
  • Gesundheits- und Pflegeservices wie Ambient Assisted Living, Sturzerkennung und Notfalltaste
  • Servicelogistik wie Lieferdienste und häusliche Dienste
  • (Elektro-)Mobilität


Smarthome und Systemvielfalt

Der Weg zum individuellen Smarthome ist schwierig, weil es eine Vielzahl von unterschiedlichen Systemen, Produkten und Anbietern gibt. Warum kaufen Haus- und Wohnungsbesitzer und Mieter ein Smarthome-System? An vorderster Stelle bei den Kaufmotiven rangieren die Erhöhung von Komfort und Sicherheit sowie der Wunsch nach geringeren Heiz- und Stromkosten.

Bevor sich der Althausbesitzer mit dem konkreten Smarthome-Systemvergleich beschäftigt, muss er zunächst grundsätzlich für sich abwägen:

  • Welchen Funktionsumfang soll die Vernetzung heute und in Zukunft haben?
  • Sollen alle Elemente (sofort oder in Etappen) mit einer einzigen Steuerungszentrale gekoppelt werden?
  • Sind (mehrere) Einzel- oder Teil-Lösungen zulässig (z. B. separate Steuerung der Unterhaltungselektronik oder von bestimmten, smarten Haushalts- und Gartengeräten)?
  • Besteht die Bereitschaft, sich (eventuell) auf zwei oder mehr Bedienoberflächen und -philosophien einzustellen?
  • Welche Datensicherheits- und Datenschutz-Ansprüche haben Sie? 

  • Soll die Installation (prinzipiell) eher in Eigenregie oder durch einen Fachmann erfolgen?

Anwendungsbeispile für das Smarthome

Es ist wichtig, nicht nur in Einzelaktionen, sondern in Anwendungen („Szenarien“) zu denken. Verlässt zum Beispiel beim Szenario „Abwesenheit“ der letzte Bewohner das Haus, werden im Winter die Raumtemperaturen bei Bedarf (sinnvoll) abgesenkt, nichtgenutzte Elektrogeräte und Leuchten ausgeschaltet, noch offene Dachfenster geschlossen und die Rollläden richten sich (auch einzeln) entsprechend Tageszeit und Wetterbedingungen aus.

Gleichzeitig werden die Alarmanlage, Bewegungsmelder und Sicherheitsbeleuchtungs-Einstellungen aktiviert. Sollte ein Problemfall in dem oder außerhalb des Gebäudes auftreten, kann sich der Nutzer per Smartphone informieren lassen. Solche automatisch ablaufenden Szenarien helfen im anstrengenden Arbeits- und Familienalltag Zeit und Nerven zu sparen.

Smarthome-Zentrale 


Es gibt zwei generelle Möglichkeiten, um die intelligenten Geräte, Sensoren und Aktoren mit einer Smarthome-Zentrale zu verbinden, damit sie die Steuerungsdaten auszutauschen können: entweder über spezielle Funkprotokolle oder über BUS- oder Elektro-Kabel. Die drahtlosen-Systeme sind aufgrund der einfachen Nachrüstbarkeit vor allem für Althausbesitzer interessant, die keine größeren Innensanierungsmaßnahmen planen. Starterpakete gibt für ein paar Hundert Euro. Der weitere Ausbau erfolgt dann modular – je nach Geldbeutel und Erfordernis.

Alle Komponenten sind per (Wlan-)Router mit einer Steuerzentrale vernetzt und werden mittels spezieller Apps per Smartphone und Tablet bedient. Die smarten Produkte arbeiten mit teils unterschiedlichen Funkstandards, welche sich unter anderem hinsichtlich der Reichweite im Gebäude und bei der Produktangebotsvielfalt unterscheiden. Der Großteil der Funksysteme ist im Handel für jedermann erhältlich und in Eigenregie installierbar. Eventuell notwendige Arbeiten an der Elektrik sind Sache des Fachmanns.

Drahtlose Smarthomesysteme im Haus. Foto: Kermi
Drahtlose Smarthome-Systeme werden primär mittels spezieller Apps bedient. Möglich ist aber auch die manuelle Nutzung smarter Einzelfunktionen und Szenarien über programmierbare Schalter und Taster sowie über die Bedienelemente an bestimmten smarten Produkten. Foto: Kermi

Smarte Modernisierung im Althaus

Erwägt der Althausbesitzer eine Modernisierung der Haustechnik, kann ein kabelgebundenes Smarthome-System interessant sein. Das bietet zum einen optische Vorteile; zum anderen gibt es keine Signalabbrüche in ungünstigen Bereichen des Hauses. Dabei entfallen die für manchen Interessenten störenden Funkwellen. Nutzungsvoraussetzung ist eine BUS- oder Stern-Verkabelung, welche die Steuerdaten von Tastern und Sensoren überträgt. Das bekannte KNX-System gibt es nur vom Fachmann und hat einen um mehrere tausend Euro höheren Grundpreis als ein Funksystem.

Alternativ gibt es noch einzelne Smarthome-Anbieter, die das Stromnetz als Datenleitung nutzen. Eine kostengünstigere Nachrüstung der vorhandenen Elektroinstallation durch den Fachmann ist dabei möglich.

Smarthome-Markt 


Der Smarthome-Markt ist vor allem aufgrund seines sehr breit gefächerten Produktangebots und wegen der heterogenen Anbieterstruktur ein wenig unübersichtlich. Deshalb empfiehlt es sich, die Smarthome-System- und Komponentenauswahl systematisch (per Checklisten) durchzuführen.

Spezialisierte Fachhandwerksbetriebe, sogenannte Systemintegratoren, verfügen teilweise über Showrooms. Hie kann der interessierte Althausbesitzer bestimmte Smarthome-Zentralen nicht nur anschauen sondern auch ausprobieren. Zunehmend wichtiger für Smarthome-Kunden wird die Steuerung via Sprachbefehl, insbesondere in Kombination mit Systemen von Amazon, Google und Apple. (Text: Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Wendagel)

(aus der Zeitschrift Althaus modernisieren 12/1-2019)

Infos rund ums Smarthome

Die folgenden Seiten können beim System- und Produktüberblick und der Expertensuche helfen:

  • www.das-intelligente-haus.de: Journalistisches Infoangebot der Endkundenzeitschrift „Das intelligente Haus“ rund ums Smarthome mit umfangreichen Musterhaus-, System- und Expertendatenbanken
  • www.digitalzimmer.de: Smarthome-Blog von Fachjournalisten, das auch viele selbst durchgeführte Tests umfasst
  • www.homeandsmart.de: herstellerunabhängiges Verbraucherportal für die Themen Smarthome und Internet of Things (IoT) in Deutschland
  • www.smart-wohnen.de: Umfangreiches Info-Angebot von MediaMarkt-E-Business mit vielen Autorenbeiträgen rund um das „vernetzte Leben“ (inklusive Themen wie Smart Office, Smarthome Senioren, Unterhaltung, etc.)