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Solarstrom im eigenen Haus speichern

27.04.2017

Ein Ärgernis für viele Althausbesitzer sind die regelmäßig steigenden Netzstrompreise. Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich deshalb Photovoltaikanlagen in Kombination mit einem Batteriespeicher, der als Strom-Zwischenlager dient. Wir geben einen Überblick über aktuelle Produkte, Trends und den Nutzen.

Der Nutzen eines Batteriespeichers ist nicht nur aufs eigene Haus beschränkt. Mehrere Hersteller ermöglichen es, den individuellen Solarstromüberschuss in einer Gemeinschaft zu teilen. Foto: Sonnenbatterie

Ein Batteriespeicher für Solarstrom lohnt sich

Die Perspektiven für Hausbesitzer, die sich ein Photovoltaiksystem anschaffen wollen, sind im 1. Halbjahr 2017 so günstig wie schon lange nicht mehr: Der Gesetzgeber hat im novellierten 
Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2017) vorgesehen, dass die gesetzlich garantierte Einspeisevergütung in den Monaten Mai, Juni und 
Juli 2017 erstmals wieder steigen könnten. Für Eigenheimdachanlagen bis zu einer Leistung von 10 Kilowattpeak (kWp) wäre dies ein Anstieg um 1,5 Prozent von derzeit 12,30 Cent pro Kilowattstunde (kWh) auf 12,48 Cent pro kWh. 
Außerdem steht Althausbesitzern, die ihre Solarstromanlage um einen Batteriespeicher ergänzen wollen, ein zu Jahresbeginn wieder frisch aufgefüllter KfW-Fördergeldtopf zur Verfügung – allerdings nur so lange der Vorrat reicht.

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Förderprogramm für Batteriespeicher

Mit dem KfW-Programm Nr. 275 „Erneuerbare Energien – Speicher“ wird die Nutzung von stationären Batteriespeichersystemen in Verbindung mit der Errichtung einer neuen Photovoltaikanlage gefördert. Möglich ist zudem die Förderung eines nachträglich installierten Batteriespeichers, sofern die Photovoltaikanlage nach dem 31.12.2012 in Betrieb genommen wurde. 

Die Förderung besteht aus zwei Teilen: aus einem zinsgünstigen Kredit sowie aus einem Zuschuss zur Tilgung dieses Kredits. Der Zuschuss berechnet sich als prozentualer Anteil aus den (förderfähigen) Nettoinvestitionskosten für das Batteriespeichersystem (Material und Installation). Der Höhe des Zuschussanteils hängt vom Antragszeitraum ab und verringert sich zwei Mal pro Jahr (aktuell: 19 Prozent; ab 1.7.2017 sind es nur noch 16 Prozent). 

Achtung: Ist das jährliche Fördervolumen ausgeschöpft, können Neuanträge erst wieder zum 1.1. des Folgejahres gestellt werden.

Wichtig: Wer die Förderung in Anspruch nimmt, verpflichtet sich, die Einspeiseleistung seiner Solarstromanlage für 20 Jahre auf 50 Prozent zu begrenzen. Zudem muss ein Förderantrag vor der verbindlichen Auftragserteilung gestellt werden.

Die Investition in eine kleine Solarstromanlage für den Eigenheimbereich wird zunehmend attraktiver. Denn immer mehr Hausbesitzer legen Wert darauf, unabhängiger von der öffentlichen Stromversorgung und den regelmäßig steigenden Strompreisen zu werden. Mit Hilfe einer Photovoltaikanlage können sie ihren eigenen Solarstrom erzeugen und nutzen.

Neben der (Teil-)Autarkie sind die wichtigsten Kaufmotive nach wie vor die Stromkostenersparnis sowie eine attraktive Solarrendite. Doch ist die erreichbar? Ein komplett installiertes Aufdachsystem mit einer Spitzenleistung von acht kWp kos-tet durchschnittlich etwa 11 000 bis 13 000 Euro netto. Aufgrund der in Relation zum Netzstrompreis vergleichsweise niedrigen EEG-Vergütung (knapp 50 Prozent) für den vom Betreiber ins öffentliche Netz eingespeisten Solarstrom, wird der Anteil des selbst genutzten PV-Stroms im Gebäude zum wichtigsten Solarrendite-Treiber. 

Wer ein Energiemanagement-System mit einem Batteriespeicher kombiniert, kann seinen erzeugten Solarstrom auch abends, nachts und in der Dämmerung nutzen. Foto: Beegy

Als grobe Tendenz für eine 8-kWp-Kleinanlage gilt: In einer guten Lage lässt sich mit einem Eigenverbrauchsanteil von 20 Prozent eine Rendite von über vier Prozent (vor Steuern) erzielen. Jede Steigerung des Eigenverbrauchsanteils um 10 Prozent bedeutet ein Renditeplus von durchschnittlich 1,5 Prozent. Unter diesem Aspekt ist es günstig, die geplante Photovoltaikanlagengröße so eng wie möglich an den Strombedarf anzupassen.

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Welche Eigenversorgungsanteile lassen sich erreichen?

Durchschnitt sind etwa 20 bis 25 Prozent – abhängig vor allem von der Geräteausstattung und vom Verbrauchsverhalten. Werte bis etwa 40 Prozent kann man nur durch eine bedarfsgerechte Anlagenplanung, aktive Verbrauchsanpassung und ein gutes Lastmanagement mittels spezieller Energiemanager- oder Smarthome-Systeme erzielen. Eigenverbrauchsanteile von 60 bis 80 Prozent, und im Einzelfall sogar bis zu 100 Prozent, sind nur in Verbindung mit einem leistungsfähigen Batteriespeicher möglich. Diese nehmen in einstrahlungsstarken und verbrauchsarmen Phasen den überschüssigen Solarstrom auf, der sich dann zeitversetzt während der schwächeren Einstrahlzeiten nutzen lässt. 

Bei den Batterie-Technologien konkurrierten bis vor einiger Zeit noch die auf Blei- und auf Lithium-Ionen basierten Modelle. Klar durchgesetzt haben sich bei den Eigenheimbesitzern die Lithium-Ionen-Speicher. Sie bieten zum einen technische Vorzüge, wie deutlich höhere Wirkungsgrade und Entladetiefen, mehr Be- und Entladezyklen sowie niedrigere Selbstentladung. Außerdem sind Lithium-Ionen-Batterien kompakter und – mit Blick auf die Aufstellvorschriften – einfacher zu installieren als die Blei-Modelle.

Die optimale Größe eines Speichersystems hängt vom jeweiligen Einsatzfall ab

Die entscheidenden Kriterien sind die Größe und Ausrichtung der Photovoltaikanlage, der bisherige Jahresstromverbrauch des Haushalts sowie das Nutzungsverhalten, also ob der Strom eher abends oder nachts benötigt wird. Auch Elektrofahrzeuge lassen sich übrigens als eine Art erweiterter Speicher nutzen. Für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresstromverbrauch von 3500 kWh würde sich zum Beispiel eine 4 bis 6 kWp 
große Solarstromanlage und ein 
4 bis 8 kWh großer Batteriespeicher eignen. Wer großen Wert auf Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz legt, also einen hohen Autarkiegrad wünscht, kann auch großzügiger dimensionieren, was dann allerdings zu Lasten der Wirtschaftlichkeit gehen könnte.

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Die vergleichsweise kompakten Lithium-Ionen-Batteriespeicher, meist mit Touch-Bedienpanel, haben sich im Eigenheimbereich gegenüber den bleibasierten Modellen durchgesetzt. Foto: Vaillant

Mit Blick auf das inzwischen große und ständig wachsende Batteriespeicherangebot sollten sich Althausbesitzer genügend Zeit für die Systemwahl nehmen. Denn 
neben den Anschaffungskosten und Leistungsdaten, ist es empfehlenswert, auch die Qualitäts-, Service- und Garantieaussagen der Hersteller detailliert zu durchleuchten und zu vergleichen. Kostenfrei im Internet zugängliche Marktübersichten helfen bei der ersten Orientierung. Eventuelle Preisangaben sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Zum einen entwickelt sich der Markt technisch und preislich sehr dynamisch. Zum anderen liefern letztlich nur die Angebote von Handwerkern verbindliche Endpreise inklusive Montage. 

Wichtig dafür, dass der Batteriespeicher dauerhaft zuverlässig und wirtschaftlich arbeitet, ist auch die fachgerechte Aufstellung, Installation und Einbindung in das Solarstromsystem. Deshalb sollte der Fachhandwerker über entsprechendes fachliches Know-how verfügen sowie möglichst schon erste Projekte umgesetzt haben – oder alternativ mit dem Kundenservice des Speicherherstellers eng zusammenarbeiten.

(aus der Zeitschrift Althaus modernisieren 4/5-2017)