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Energie schlauer messen

27.06.2011

In Echtzeit lässt sich kontrollieren, wie viel Energie Haushaltsgeräte benötigen. Das hilft beim Aufspüren versteckter Stromfresser (Initiative Pro Smart Metering)Nach dem Willen der EU sollen noch im Laufe dieses Jahrzehnts die herkömmlichen Stromzähler mit der Drehscheibe durch die sogenannten „Smart Meter“, elektronische intelligente Zähler, abgelöst werden. In Deutschland sind intelligente Messgeräte im Haushaltsbereich bislang nur in Neubauten und nach größeren Renovierungen gesetzlich vorgeschrieben. Allerdings haben alle Privathaushalte die Möglichkeit, einen Smart Meter zu erhalten.

Was macht das Messen smart?
Zunächst gilt es, zwischen „Smart Meter“ und „Smart Metering“ zu unterscheiden. Beim Smart Meter handelt es sich um einen kommunikativen Energiezähler, der den Endkunden zu mehr Transparenz bezüglich ihres Energieverbrauchs verhelfen soll. Denn der alte Strom- oder Gaszähler zeigt in erster Linie die verbrauchte Energiemenge an. Hier trumpft der Smart Meter mit Zusatzinformationen auf: Er zeigt den aufsummierten Verbrauch und die aktuelle Leistungsentnahme. „Intelligentere“ Geräte verraten aber noch mehr; später gibt es dazu weitere Infos.

Der Begriff „Smart Metering“ bezieht sich auf das Messwesen, das hier per Kabel oder Funk funktioniert. Die Daten lassen sich bequemer (fern-)auslesen sowie auch zeitnah verarbeiten. Möglich wird so zum Beispiel eine monatliche, verbrauchsgenaue Abrechnung. Daneben sind künftig weitere Optionen denkbar.

Verbrauch wird transparenter
Die Anzeige der derzeitigen Leistungsentnahme hilft, so manchem Dauerstromverbraucher oder Stromfresser auf die Spur zu kommen. Eine Aufgabe, die sich auch mit einem normalen Energiemessgerät erledigen lässt, doch der Smart Meter macht es bequemer: Er zeigt den Stromverbrauch des ganzen Haushalts an. Wird ein Elektrogerät aus- oder angeschaltet, kann man den Verbrauchsanstieg sofort auf dem Display des Zählers ablesen. Allerdings hängt das Smart Meter meistens im Keller. Daher ist es sinnvoll, wenn das Gerät zusätzlich noch Schnittstellen bietet, über die sich die Messwerte an den Computer oder auf ein spezielles Display – auch Home-Display oder Inhome-Display genannt – in einen Wohnraum übertragen lassen. So wird Energiesparen wohnzimmertauglich und die Analyse vergangener Zeiträume lässt sich einfach vornehmen. Home-Displays ähneln vom Design oft einem elektronischen Bilderrahmen oder einer modernen Wetterstation und können, neben den Energiedaten, teilweise weitere Informationen darstellen. Spezielle internetbasierte Lösungen haben den Charme, dass sie interessante Analyse-Tools zur Optimierung des Verbrauchs bieten können.

Zähler-Ausstattung beachten
Für den Übergang zu einem nachhaltigen Energiesystem auf regenerativer Basis sind die Smart Meter ein wichtiges Instrument: Sie erlauben die Darstellung mehrerer Tarife und können so den Kunden günstige Preise signalisieren, wenn viel Strom aus erneuerbaren Energien zur Verfügung steht.

Bei der Tarifdifferenzierungsfunktion durch den Smart Meter gibt es wichtige Unterschiede: Kann der Zähler nur zwischen zwei Tarifzonen unterscheiden – etwa für Tag- und Nachtstrom – ist er für komplexere Tarifmodelle ungeeignet. Experten erwarten künftig komplexere Modelle, bei denen die Strompreise detailliert nach Uhrzeit oder nach Netzbelastung gestaffelt werden. Derartige Tarife können die einfachsten Smart Meter nicht verarbeiten.

Wer seinen Strom selbst produziert – ob mit Photovoltaik oder mit einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage – wird von seinem Smart Meter erwarten, dass es nicht nur den erzeugten Strom, sondern zusätzlich den im eigenen Haus selbst verbrauchten Strom (Eigenverbrauch) erfasst.

Lohnt sich die Investition?
Viele werden sich fragen, ob sich ein Smart Meter auch finanziell lohnt. Diese Frage ist leider nicht pauschal zu beantworten. „Welches Sparpotenzial der Smart Meter tatsächlich bietet, muss jeder individuell betrachten“, erklärt Herbert Brunner, Sprecher der Initiative „Pro Smart Metering“ des ZVEI. „Den möglichen Ersparnissen beim Strom, typischerweise sind Verbrauchseinsparungen von einigen Prozent möglich, stehen je nach Tarif und Anbieter unterschiedliche Kosten gegenüber.“ Die Forschungsgruppe Energie- und Kommunikationstechnologien analysierte den Nutzen für diverse Kundengruppen. Das Ergebnis: Der intelligente Zähler bringt zwar mehr Verbrauchstransparenz und verbessert die Chance, den Energieverbrauch gezielt zu steuern und zu optimieren.

Im Vergleich zum herkömmlichen Zähler ist der Smart Meter aber teurer. Für Single-Haushalte mit geringem Jahresverbrauch ergeben sich laut Studie keine finanziellen Vorteile. Kunden mit mittlerem bis hohem Stromverbrauch können sparen, wenn sie aktiv mitarbeiten: Also zum Beispiel das eigene Verbrauchsverhalten optimieren oder alte Stromfresser identifizieren und austauschen.

Mehr Sicherheit im Haus
Neben den Strom- und Gas-Zählern werden ebenfalls die Wasser- oder Wärmezähler über kurz oder lang „intelligenter“. Die Smart Meter mutieren dann zum wichtigen Baustein für Hausautomation und Energiemanagement: Zu welcher Uhrzeit springt die Waschmaschine optimalerweise an? Wann kann das Elektroauto mit Solarstrom geladen werden? Antworten auf solche Fragen könnten künftig Smart Meter geben.

Auch für mehr Sicherheit ließe sich sorgen: Etwa indem ein ungewöhnlicher Wasser- oder Stromverbrauch gemeldet würde, wenn die Familie im Urlaub ist. Ein „vergessenes“ Bügeleisen würde so manchem weniger Kopfzerbrechen bereiten. Computer, Energie-Display oder auch das Smartphone können sich so zu Energiemanagement- und Sicherheitssystemen entwickeln. Um dies später einmal zu ermöglichen, ist der Smart Meter als Auskunftsstelle unentbehrlich.

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